5 Frauen, 5 Stories, 5 Kämpfernatur

...das ist nachhaltiger Tourismus

Strong woman who opens arms to the giant waves

Sie haben unterschiedliche Altersgruppen und Hintergründe, sie haben heute unterschiedliche Aktivitäten, aber was sie verbindet, ist die Energie und der Glaube an ihre Mission im nachhaltigen Tourismus.

Mit diesen fünf Porträts bieten wir all jenen eine Quelle der Inspiration, die sich vom Ökotourismus oder allgemein von der Erfüllung ihrer Träume hinreißen lassen.

Inhaltsverzeichnis

Anne-Sophie, Zazie Hotel

Anne-Sophie, Hoteldirektorin des ersten sozialen engagierten Biohotels in Paris

“Niemand ist beschäftigungsunfähig, und Arbeit kann ein Mittel zur Selbstemanzipation sein.”

Als Anne-Sophie 2012 ein kleines, bescheidenes Hotel im 12. Arrondissement kaufte, hatte sie ein konkretes Projekt im Sinn: ein “Labor” zu schaffen, um andere Arbeitsweisen zu erforschen und Menschen, die als “arbeitsunfähig” gelten, Möglichkeiten zu bieten.
Ihr Ziel: zu zeigen, dass Arbeit sowohl für Menschen in Schwierigkeiten als auch für das Unternehmen selbst von Nutzen sein kann. Um das Ziel zu erreichen, hat sie ein Unternehmen für die Eingliederung in die Wirtschaft geschaffen.
Das Hotelgewerbe steht am Schnittpunkt verschiedener Berufe, es rekrutiert ständig und vor allem das, was Anne-Sophie am besten gefällt: Es fördert menschliche Kontakte.

“Die Umweltaspekte wurden aus den sozialen Aspekten abgeleitet”

Um Chancen auf Integration in Beschäftigung zu geben, hat Anne-Sophie über die Gesamtorganisation des Hotels nachgedacht. Dies führte zu bestimmter Aufgaben wie Wäscherei und Waschanlagen im Betriebsablauf wieder aufzunehmen. Dies spart nicht nur Zeit, und Geld aber auch Co² Ausstoß. Diese Überlegung hat sie für die Umweltauswirkungen ihrer Tätigkeit sensibilisiert und sie ermutigt, innovative ökologische Lösungen zu finden. Diese Bemühungen wurden durch die Verleihung des Labels “Grüner Schlüssel” und der Qualifikation “Nachhaltiges Hotel der Stadt Paris” anerkannt.

“Eine Unternehmerin muss darum kämpfen, Finanzierungsquellen zu finden”

Zu Beginn ihres Projekts wurde sich Anne-Sophie mit Zurückhaltung, insbesondere im Bankensektor, konfrontiert. Glücklicherweise gibt es Initiativen und Fonds, die sich an Unternehmerinnen und die Solidaritäts- und Sozialwirtschaft richten: Anne-Sophie erhielt die Unterstützung der Pariser Stadtverwaltung und der IDF-Region.
Heute ist sie mit den Ergebnissen zufrieden: Neben den 4 festangestellten Mitarbeitern und einem Sozialarbeiter hat sie Dutzende von Personen aufgenommen und ausgebildet, die sich in der Hotellerie zurechtfinden konnten. Auf der Kundenseite ist das Feedback sehr positiv: Der herzliche, persönliche Empfang und der ökologische Ansatz sprechen sowohl französische als auch ausländische Reisende an.

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Christine gourmandises bio

Christine, Bauherrin eines Passivhauses in Franche-Comté

“Es ist möglich, sein Leben mit 50 Jahren zu ändern.”

Nach einer beruflichen Laufbahn als Verkaufsleiterin im Elsass durchlief Christine eine “existenzielle” Krise, die sie dazu brachte, sich beruflich umorientieren. Nachdem sie ihre Arbeit aufgegeben hat, macht sie sich auf die Suche nach sich selbst, begleitet von Fachleuten. Ergebnis: “Natur” und “Kochen” sind die Schlüsselwörter, die ihr helfen werden, ihr neues Lebens- und Berufsprojekt zu definieren.
Dank neuer Energie erledigt Christine ein Lehrgang zum Küchenmeister in 6 Monaten – statt in 2 Jahren abzuschliessen. Dieser Abschluss gibt ihr Selbstvertrauen als Fachfrau. Sie setzt ihre Weiterbildung fort, nimmt an einem 4-tägigen Life-Coaching teil, das ihr hilft, ihren intimen Wunsch zu formulieren: *“ein Erwecker der Aromen der Erde zu sein”.

“Vom 70-jährigen Brachland zur geschmackvollen und Bio-Gartenanlage verwandeln”

Nach langer Suche war es schließlich in der Haute-Saône, wo die Liebe auf den ersten Blick zuschlug: ein riesiges, völlig verlassenes Stück Land am Fluss.
Mit einem begrenzten Budget zeichnete sie selbst die Pläne für ihr 203 m2 großes Haus und stützte sich bei der Konstruktion des Rohbaus auf das Know-how eines auf Passivhäuser spezialisierten Unternehmens aus den Vogesen. Für die weniger technischen Lose ruft Christine die Solidarität und die partizipativen Baustellen auf und legt ihre eigene Hand an die Arbeit.

Anstreben nach Selbstversorgung und Leben in Harmonie mit der Natur

Im Jahr 2014 wird der Traum Wirklichkeit: Christine eröffnet ihr Gästehaus, das im Einklang mit der Natur funktioniert. Gemüsegarten und Obstgarten werden nach den Prinzipien der Permakultur und Agrarökologie bewirtschaftet. Pflanzenanbau, Gästtische, Marmeladen, Chutneys und Pestos sowie ihre Catering-Dienstleistungen sind von Ecocert AB zertifiziert. So bietet es den Besuchern eine warme und gemütliche Frühstückspension und auch eine köstliche biologische Kreativküche mit Wildpflanzen und Produkten aus ihrem Garten.
Christine empfängt immer mehr Besucher und bietet Tage und Wochenenden-Kochkurs “Croquez la nature“an, an denen Sie lernen können, wie man Wildpflanzen erkennt und kocht.

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Dominique Renouf sur la proue du

Dominique, Pionierin von solarbetriebenen Hausboote in Frankreich

Die Krankenschwester, die große Kähne auf der Seine steuerte…

Dominique fiel mit 33 Jahren durch Zufall in den “Kessel der Flussschifffahrt”. Damals suchte die ausgebildete Psychiatriekrankenschwester in Paris nach einem Ort um Freizeitzentrum zu schaffen. Sie wurde fündig, und baute einem 38 Meter langen Lastkahn auf der Seine um. Dabei erhielt Dominique einen Zulassungsschein für großen Lastkahn. Nachdem sie die Bateaux-théâtres à Paris und das CAT Bateau-cinéma an der Marne gegründet hatte, beschloss sie, zum Canal du Midi zu fahren, um an Bord eines hausboots ein Integrationsunternehmen zu gründen.

Die erste solarbetriebene Hausboote von einer Französin erbaut!

Um die ökologischen Schäden des Canal du Midi einzudämmen, beschließt Dominique zu handeln. In Zusammenarbeit mit einem Architekten und einem Professor einer Schiffbau Hochschule entwickelten sie den weltweit ersten Prototyp eines solarbetriebenen Hotelbootes. Es wiegt 50 Tonnen, hat einen Rumpf und Aufbauten aus Stahl, hat eine Oberfläche von 80 m2 Solarpaneelen und trägt 7 Tonnen Batterien, die eine totale Energieautonomie gewährleisten. Außerdem ist für Personen mit eingeschränkter Mobilität geeignet. Sie bekam denn von der Region Languedoc-Roussillon, das frz. Umweltamt eine finanzielle Unterstützung von 530.000 €.

Canal du Midi, Lot, Seine…endlich Wasserklar?

Der Flusstourismus in Frankreich hat ein Potenzial von 8.500 km schiffbarer Wasserstraßen. Die Flotte der Boote (ca. 3.000) stoß jedoch 100.000 Tonnen CO2 pro Jahr aus (ohne Kohlenwasserstoffabfälle). Könnte Dominique's Erfindung zur Wassersäuberung beizutragen?

Im Jahr 2009 verließ sie nach einer Familientragödie den Canal du Midi in Richtung des Lot-Flusses, einer damals fast menschenleeren Wasserstraße. Sie entwickelt ihre Tätigkeit auf ihrem Solarboot “Kevin” und beginnt mit dem Bau eines neuen Bootes. Zehn Jahren später wurde das erste solarbetriebene Hausboot dank der finanziellen Unterstützung der Region Neue Aquitäne ins Wasser geslippt. Ein Solarhausboot mieten in Frankreich geht nun ganz ohne Bootsführerschein mit Null Co²Ausstoß, ohne Lärm und 100% Energieautark.

Dominique arbeitet momentan an der Schaffung einer Flotte von mehreren Booten in Neu-Aquitaine, die für 8 Monate in Charter und den Rest des Jahres in der Elektroproduktion eingesetzt wird. Zu diesem Zweck ist eine Partnersuche im Gange .

Weiterhin möchtet die Solarhausboot-Pionierin politisch handeln: Förderung der Erneuerung der derzeitigen Flotte (ca. 300 Hausboote) im Elektro-Solar-Modus durch Anreize, Einführung des Solarbootes auf der Seine während der Spiele 2024.

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Flora

Flora, Schöpferin von solidarischen Schatzsuchen in der Stadt

Sinnvolles Projekt dank Kreavität und Energie ins Leben rufen

Nach meheren Versuchen hat Flora ein neues Konzept im städtischen Ökotourismus entwickelt: die solidarische Schatzsuche.

Wie viele junge Hochschulabsolventen in Frankreich könnte sie sich auf dem Arbeitsmarkt in den kulturellen und sozialen Bereichen nicht behaupten. Nach einer Reihe von Ablehnungen beschloss sie, sich anders zu orientieren und “ihren eigenen Arbeitsplatz zu schaffen”.

Im Herzen von Paris: sozialen Zusammenhalt schaffen

Seite 2015 bietet die junge Frau 18 solidarischen Schatzsuchen Routen durch Paris, während der Woche für die Betriebe und am Wochenende für Privatleute.
Über einen halben Tag wird man abseits von touristischen Pfaden (wie z.B. Porte de Vanves, Barbès) in selbstverwalten, solidarischen Cafés und Hotels, Fairhandel laden geführt, wo man mit engagierten Einwohner autauschen kann. Die Teilnehmer werden in kleinen Gruppen von 5 bis 7 Personen von einem Moderator betreut und in die Erfahrung einbezogen.

Es ist vor allem ein Prozess der Begegnungen und des Austauschs, und nicht bloß touristisches Konsum. Am Ende des Rundgangs debrieft die Gruppe um den “Freundschaftstee”, ein geselliger Moment, der dauern kann… oder über die Zeit andauern kann, denn es ist nicht ungewöhnlich, dass die Teilnehmer sich danach wieder sehen wollen!

Nach Paris kommen Lyon, Nantes, St Brieuc

Das kleine Unternehmen das bereits zwei Angestellte und ein Team von Animateuren hat, bring zum Erfolg. Dieser Formel hat Bürger aus anderen Regionen Frankreichs dazu veranlasst, ihre lokalen engagierten Akteure hervorzuheben. Flora schult und begleitet diese motivierten Menschen in Form eines sozialen Franchise.

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Jeu de piste solidaire à Paris

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- Participer à un jeu de piste solidaire (nur in Französisch)

Yasmine Haun, France écotours

Yasmine, dem nachhaltigen Tourismus verpflichtete Reiseveranstalterin

Wie hat das Projekt der Auslandsfranzosin begonnen?

Nach einem langen Mutterschaftsurlaub fühlt die mehrsprachige Französin von der Arbeitswelt abgeschlossen. Sie zweifelte an seinen Fähigkeiten. Dennoch war ein Wunsch fest in ihrem Kopf verankert: die Gründung eines eigenen Unternehmens. Ein Fortbildungslehrgang zur beruflichen Neuorientierung von Universitätsabsolventen gab ihr einen ersten Denkanstoß: Warum nicht auch im Tourismus? Begeistert von dieser Idee, aber bewusst ihrer mangelnden Kenntnisse über die Branche, machte sie sich auf die Suche nach Alternative und stieß auf dem Forum Anders Reisen.

Freundliche Aufnahme einer Quereinsteigerin im Forum Anders Reisen

Tourismus, ja, aber kein Massentourismus. Diese Überzeugung führte sie Anfang der 2000er Jahre zu der sehr jungen Berufsorganisation verantwortungsbewusster Reiseveranstalter forum anders reisen. Mit bereits etwa dreißig Mitgliedern begrüßte ihren Kollegen diese motivierte, aber unerfahrene Französin mit offenen Armen und berate sie anfangs der Gründung von France écotours. Mit ihnen konnte Yasmine ihre unternehmerische Vision verfeinern, die Erwartungen der deutschen Verbraucher besser verstehen und einem sinnvollen Projekt Substanz verleihen: Frankreich erleben: authentisch, nachhaltig, individuell.

Als Vorstandsmitglied dieses Verbands, dem sie bis 2008 angehörte, lässt ihr Unternehmen von TourCert zertifiziert, die 2009 durch den Kriterienkatalog des Forums Anders Reisen und die enge Zusammenarbeit mit der Kate-Stuttgart EMAS-Beratungs- und Bildungsorganisation angeregt wurde. Zu Beginn der 2000er Jahre steckte den nachhaligen Tourismus in den Kinderschuhen.

Die nachhaltige Gemeinschaft unterstützen

Nach einer Scheidung und einem Umzug ins Ökohaus steckt Yasmine ihre ganze Energie in ihre Firma, die 2012 in eine GmbH umgewandelt ist. Im Jahr 2013 startet Yasmine die Vermittlung von Biounterkünften mit dem Portal: myecostay und diversifiziert dann die Angebotspalette von France écotours für Veganer, mit thematischen Reisen, Wellnessreisen usw.
Heute steht die Unternehmerin vor einer neuen Herausforderung: Gastgeber und Akteuren der Bio-Branche in Europa fördern, die sanfte Möbilität fordern, green washing im Tourismus anprangern, neue pfiffige smart green Lösungen finden um den CO2-Fußabdruck zu begrenzen…

#EntrepreneursForFuture

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