Das Maximum aus dem nachhaltigen Frankreichurlaub herausholen

Aber... was bedeutet das überhaupt, das Maximum?

Wie lässt sich aus einer nachhaltigen Reise in oder durch Frankreich das Maximum rausholen? Und was bedeutet das überhaupt, das Maximum? (stock.adobe.com © kite_rin (DATEI-NR.: 322987263)

Wenn wir an unserem Reiseverhalten arbeiten möchten und die Themen Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein großschreiben wollen, müssen wir das herkömmliche Verständnis von Reisen überdenken. Dazu gehört nicht alleine die Anreise. Sicher ist es wichtig, zu wissen, wie man mit möglichst wenig Emissionen an Frankreichs Küste, in die Pyrenäen oder in eine bestimmte Stadt kommt. Mindestens genauso wichtig ist aber auch, dass wir lernen, wie wir den Urlaub selbst nachhaltig gestalten.

Das Spannende ist: Durch eine Reduzierung auf das Wesentliche und durch Minimalismus lässt sich oft das Maximum aus einem Urlaub rausholen. Man muss sich nur darauf einlassen.

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Iles de Giens

Die Pläne reduzieren

Keine Frage, Frankreich gehört zu den Ländern, die sehr viel zu bieten haben. Man kann endlos das Landesinnere erkunden, kleine Städtchen besuchen, Küsten abklappern oder Berge besteigen und Aussichten auf wunderschöne Landschaften genießen. Viele Fleckchen sind einen Besuch wert und wenn wenig Zeit ist, möchte man diese Zeit am liebsten auch richtig effektiv nutzen. Das verleitet oft dazu, sich bei der Urlaubsplanung zu übernehmen. Effektiv nutzen bedeutet dann nämlich: So viel in der kurzen Zeit sehen, wie nur irgendwie möglich.

Doch unter dieser Einstellung, die viele Urlauber*innen verbindet (auch solche, die eigentlich auf nachhaltiges Reisen achten), leidet der Urlaub stark. Die einzelnen Destinationen werden dann nämlich nur noch abgehakt. Sie werden zu Checkpoints auf einer Liste und es geht nur darum, hinter jeden Punkt ein Häkchen setzen zu können. Viel schöner und eben auch nachhaltiger im wahrsten Sinne des Wortes wäre es, sich auf wenige Checkpoints zu beschränken. Wer sich mehr Zeit an einem Ort nimmt, lernt diesen viel intensiver kennen und macht Erfahrungen, die länger nachwirken, als kurze „Abstecher“.

Außerdem verliert das Reisen durch zu viel Pläne automatisch an umweltbewusstem Charakter. Man kann noch so sehr darauf achten, wie „grün“ die Anreise ist, wie wenig man während der Reise verbraucht und wie umweltbewusst man sich ernährt. Will man täglich an einem anderen Ort sein, wird das Reisen im Urlaub selbst schnell zur Umweltsünde. Deshalb gilt es, sich nur gezielt einzelne Reiseziele zu setzen und sich für dort mehr Zeit zu nehmen. Wer sich etwa die goldenen Inseln an der Côte d'Azur ansehen möchte, kann dafür getrost eine Woche oder gar länger einplanen. Es muss nicht notgedrungen auch noch Toulon erkundet oder gar noch Marseille besucht werden. Dafür ist im nächsten Urlaub noch genug Zeit.

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Mann mit Koffer

Mit weniger Dingen auskommen

Alle, die sich mit dem umweltbewussten Reisen intensiver beschäftigen, betonen eines: Neben dem Verzicht aufs Fliegen, ist es wichtig, nur wenig Gepäck mitzunehmen. Fast jede*r neigt dazu, zu viele Dinge in Koffer, Tasche oder Rucksack zu legen, wenn es ans Packen geht. Mal lieber noch einen Pullover mehr eingepackt und ein drittes Paar Schuhe mitgenommen. Und für den Fall der Fälle eine Luftpumpe, falls mal Räder geliehen werden, einen Regenschirm, falls es doch mal regnen sollte und so weiter. Zum Großteil wird die packende Hand hier von Ängsten gelenkt: Es könnte ja sein, dass…/ aber wenn dann doch mal…/ was wenn…. Die Reise zu durchdenken und vorbereitet zu sein, ist auch sicher sinnvoll. Überflüssig ist es aber eben, davon auszugehen, dass die unwahrscheinlichsten Dinge passieren werden und dafür dann eine Lösung in Form von Mitgebrachtem vorhanden sein muss. Meistens findet sich vor Ort immer irgendein Weg, welches Problem auch immer zu lösen – wenn es zu einem solchen denn überhaupt kommen sollte.

Es gilt also, sich zu fragen: Was brauche ich wirklich unbedingt? Neben frischer Unterwäsche für jeden Tag (falls nicht irgendwo die Möglichkeit besteht, Wäsche zu waschen), Alltagskleidung, Badesachen und einem Paar guter Schuhe, mit denen auch länger gelaufen werden kann, gehören dazu eigentlich nur:

•Wichtige Unterlagen, wie diverse Buchungsbestätigungen, Ausweis, Pass, Führerschein, und eventuell der internationale Führerschein und der Impfpass
•EC-Karte, VISA-Kreditkarte
•Etwas Bargeld
•Eine kleine Reiseapotheke
•Waschtasche mit dem Nötigsten
•Smartphone (ausgestattet auch mit Offlinekarten zur Orientierung bei schlechtem Netz oder keinem Auslandsroaming)
•Kamera
•Notizbuch
•Reisehandtuch
•Regenjacke
•Taschenmesser (außer, es wird eben doch geflogen)

Mitunter kann selbst auf den ein oder anderen Gegenstand aus dieser Liste verzichtet werden. Mehr braucht es tatsächlich nicht. Alles andere, was im Gepäck landet, fällt unter die Kategorie „Luxus“. Das mag vielleicht übertrieben klinge, ist aber wahr. Natürlich ist es nett, abends mal ein Filmchen auf dem Laptop zu schauen. Oder den dicken Wälzer weiterzulesen, den man gerade angefangen hat. Oder sich mit der elektrischen Zahnbürste, statt mit der herkömmlichen, die Zähne zu putzen. Aber das alles hat eben auch sein Gewicht und belastet damit bei der Reise nicht nur den Rücken und die Arme, sondern auch die Umwelt.

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Ein Reisetagebuch ist eine wunderschöne Möglichkeit, sich an den Urlaub zu erinnern. (stock.adobe.com © MarekPhotoDesign.com (DATEI-NR.: 190028076)

Erinnerungen in natürlicher Form festhalten

Manchmal reicht es einem nicht aus, einen schönen Urlaub alleine in Gedanken festzuhalten. Gegen Materielles, das uns an Erlebtes noch besser zurückerinnern lässt und vielleicht mit bestimmten Situationen oder einer bestimmten Zeit verknüpft ist, gibt es auch nichts einzuwenden. Allerdings macht es einen großen Unterschied in Bezug auf die Nachhaltigkeit eine Reise, ob dieser Erinnerungsgegenstand ein herkömmliches Souvenir ist oder vielleicht etwas Selbstgemachtes oder zumindest etwas „Natürlicheres“.
Souvenirs, wie sie natürlich auch in Frankreich an typischen Souvenirständen oder in entsprechenden Läden zu finden sind, sind nur oberflächlich mit einem Ort oder einer Attraktion verbunden. Sicher – das entsprechende Objekt kann an diesem Ort gekauft werden und es bildet ihn in irgendeiner Weise ab. Allerdings sind die meisten dieser Souvenirs Massenware und in der Regel von eher schlechter Qualität. Schlimmstenfalls sind sie nicht einmal in Frankreich, sondern in einem Entwicklungsland produziert worden. In jedem Fall sind sie dafür konzipiert, ohne groß nachdenken zu müssen, ein Geschenk für die Liebsten zuhause oder eben ein Andenken für einen selbst zu sein. Kurzum: Mit solchen Souvenirs sollte sich niemand, der bewusst reist, an seinen Urlaub zurückerinnern. Zumal auch hier wieder unnötiges Gepäck anfällt, das bei der Rückreise zu einem erhöhten CO2-Ausstoß beiträgt. (Mit dem CO2-Rechner des Umweltbundesamtes lässt sich die eigene CO2-Bilanz übrigens ziemlich genau ausrechnen.).

Es gibt allerdings eben auch „natürliche“ Alternativen zu den herkömmlichen Souvenirs. Man denke nur an Fotos. Dank Digitaltechnik und modernen Systemen muss eine gute Kompaktkamera heute nicht mehr viel wiegen und kaum Platz wegnehmen. Sie kann tausende von Fotos fassen, die immer wieder angeschaut werden können und einen von vergangenen Tagen in Frankreich träumen lassen. Zuhause können einzelne, ausgewählte Fotos dann auch auf hochwertigem Papier ausgedruckt und irgendwo hingestellt werden, wo man sie immer im Blick hat.

Eine weitere Alternative zu kaufbaren Souvenirs, ist es, ein Notizbüchlein mit auf die Reise zu nehmen. Hier lassen sich nicht nur Erlebnisse in Form eines Tagebuchs in Worte fassen, es können auch:
•gesammelte Pflanzenteile,
•Bahntickets,
•Broschüren,
•Ausgedruckte Fotos
und alles andere, was auf der Reise so anfällt, eingeklebt und zu einer großen Reisecollage kombiniert werden. Ein solches Buch sprüht vor Leben und Erlebnis und macht beim gemeinsamen Durchstöbern viel mehr Freude, als irgendetwas, was nur zur Deko in einer Ecke der Wohnung steht.

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Planwagen in der Bretagne Wald

Den Weg zum Ziel machen

Unter Reisen wird heute meistens verstanden: So schnell wie möglich von zuhause ans Urlaubsziel kommen, um da dann endlich entspannen zu können. Die Reise an sich, also der Weg, spielt für die meisten Reisenden überhaupt keine Rolle mehr. Dass, wie Konfuzius vor hunderten von Jahren sagte, auch der Weg das Ziel sein kann, trifft aber nicht nur für viele Herausforderungen im Leben zu. Auch eine Reise kann genau so verstanden und angegangen werden.

Nun könnte man einwerfen, dass doch genau dieses ständige Unterwegssein vorher noch kritisiert wurde. Es geht hier aber nicht darum, in kurzer Zeit, möglichst viel zu machen und abzuhaken. Es geht vielmehr darum, das Land zu erkunden, indem man es durchstreift. Das muss nicht mit dem Zug oder Auto geschehen. Dann bleibt nämlich wirklich kaum Zeit, die Natur, das Essen und die Menschen kennenzulernen.

Vielmehr geht es darum sich zu Fuß oder mit dem Rad am Atlantik entlang oder mit einem Planwagen beispielsweise in der Normandie oder der Bretagne fortzubewegen und dabei die vielen Eindrücke einzusaugen. Dann kann spontan, wenn es einem irgendwo besonders gut gefällt, stets innegehalten und Zeit verbracht werden. So lassen sich oft auch Plätzchen finden, die man beim herkömmlichen Reisen niemals entdeckt hätte.

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Mit dem Rad durchs grüne Landesinnere – dabei bleibt Zeit, für das Genießen des Moments

Gezielt Entschleunigung suchen

Beim Reisen zu Fuß, mit dem Rad oder einem Planwagen passiert ganz automatisch auch etwas mit unserer Zeitwahrnehmung: Wir entschleunigen. Im Alltag sind wir es in der Regel gewohnt, dass immer irgendetwas passiert. Um uns herum herrscht oft Chaos, die Arbeit verlangt einem oft einiges ab und dann sind da noch etliche andere Termine und Dinge, die erledigt werden müssen. Wie gesagt, irgendetwas ist immer, was uns beschäftigt.

Wer langsam reist und sich Zeit mit allem auf der Reise lässt, wird auf einmal merken, wie gut es tun kann, dass auch mal wieder einfach gar nichts passiert. Auch hier sollte sich das Verständnis vom Reisen verändern. Es muss nicht sein, dass eine Reise mit den verrücktesten, spannendsten und ungewöhnlichsten Erlebnissen vollgepackt ist. Manchmal ist das ganz Normale, nämlich der Lauf der Natur, das Wetter und der Wind, das Rauschen des Meeres das Erfüllendste, was einem ein Urlaub bieten kann.

Wer sich dann auch noch auf Weniges beschränken kann, was er im Frankreichurlaub braucht und was er dorthin mitnehmen muss, wird merken: Weniger ist oft mehr. Mit Minimalismus lässt sich manchmal das Maximum an Qualität aus einer Reise rausholen. Man muss es eben nur ein erstes Mal ausprobieren.

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