„En vrac“ – Warum Franzosen nicht zur Verpackung greifen

In Zeiten, in denen selbst große Supermarktketten auf Plastiktüten verzichten, um das aus Erdöl hergestellte Plastik zu reduzieren stellen wir uns die Frage, wie das denn mit den unzähligen Verpackungen der Lebensmittel selbst ist, und stellen fest, dass uns die Franzosen beim Unverpackten einen Schritt voraus sind! Ein Überblick über verpackungslose Einkaufsmöglichkeiten in Frankreich.

Das Prinzip und das Ziel der verpackungsfreien Supermärkte liegen auf der Hand: die Müllvermeidung. In großen Spenderbehältern können trockene Nahrungsmittel, wie Zucker, Mehl, Nüsse oder Getreide aber auch Essig und Öl zum selbst Zapfen angeboten werden. Die Nahrungsmittel werden vom Kunden in wiederverwendbare Behälter abgefüllt, die er selbst mitbringt oder sich vor Ort kauft bzw. leiht. Viele Geschäfte bieten zudem recycelbare Behälter etwa aus Papier oder Algen an. Ein weiterer Vorteil für den Konsumenten ist, dass er genau die gewünschte Menge abfüllen kann und somit keine Lebensmittel verschwendet werden. Auch kann trotz dem logistischen Mehraufwand am Preis gespart werden. Einen sozialen Vorteil bringt diese Art des Lebensmittelverkaufs auch mit sich: es wird Servicepersonal benötigt, zum Beispiel um die großen Spenderbehälter immer wieder aufzufüllen, was wiederum Arbeitsplätze schafft und verhindert, dass Kassiererstellen durch Selbstverbuchungsmaschinen ersetzt werden.

In Frankreich bieten Biomärkte wie zum Beispiel Bio’c’bon schon seit mehreren Jahren zusätzlich zum dem herkömmlichen Sortiment diesen verpackungslosen Selbstbedienungsservice an. Egal ob Kekse, Samen, Trockenfrüchte oder Linsen, alles wird selbst abgefüllt und gewogen. Ein praktischer Einkaufsspaß, der sich auch in Paris großer Beliebtheit erfreut. Bio Coop, eine der ersten Bioinitiativen Frankreichs mit über 350 Filialen ist sogar so weit gegangen, dass er einen 100 % verpackungslosen Supermarkt eröffnet hat. Die Filiale wurde anlässlich der Cop 21 in Paris auf begrenzte Zeit eröffnet und Biocoop 21 genannt. Die Testversion kam bei den Parisern gut an: rund 300 Kunden zählte der Laden in der rue du Château d‘Eau in Paris täglich. Die erfolgreiche Testphase von Biocoop 21 spiegelt klar wieder, dass Konsumenten auf verpackungsfreies Einkaufen großen Wert legen!
Verpackungsfrei muss nicht immer Bio sein. Day by Day beispielsweise ist die erste verpackungslose Supermarktkette in Frankreich. Seit 2013 werden hier sämtliche Lebensmittel „en vrac“ angeboten.

Auch in Deutschland gibt es vor allem in Großstädten einige Unverpackt Läden. Allerdings gehört dies nicht zum Standardsortiment in den meisten Biosupermärkten, wie es in Frankreich der Fall ist. Fest steht jedoch, dass verpackungsfreie Lebensmittel und individuelle Abfüllmengen dem Zeitgeist und dem demographischen Wandel entsprechen. Es gibt immer mehr Singlehaushalte und Senioren, wodurch kleinere Füllgrößen nötig sind. Laut dem deutschen Umweltbundesamt sind diese kleineren Verpackungen eine der Gründe für den Anstieg von Verpackungsmüll. Hat man keinen solchen Supermarkt bei sich in der Nähe, kann man Verpackungsmüll reduzieren, indem man zu größeren Packungsgrößen greift und bei Alternativen eher zu den nachhaltigeren Varianten greift. Viel Inspiration und praktische Tipps, wie man sein Leben gestalten kann, um möglichst wenig Müll zu produzieren, sowie Informationen zu Events gibt es auf der Seite des Netzwerks Zero Waste Europe. Der französische Verein Zero Waste ist zudem sehr aktiv und organisiert in Paris das erste „Festival Zero Waste“ mit Experten, Politikern und Umweltaktivisten. Mehr Infos zum Festival und Teilnahmemöglichkeiten gibt es hier.

Christiane Hawlik

www.zerowasteeurope.eu
www.lemonde.fr
www.biocoop.fr
www.umweltbundesamt.de
www.daybyday-shop.com