Essen gehört nicht in den Müll!

Bereits vor einigen Monaten hatten wir in unserem Blog über Lebensmittelverschwendung berichtet. In dem Beitrag ging es darum, wie die Pariser die durchschnittliche Menge der Lebensmittel, die in der Tonne landen, bis 2025 um die Hälfte reduzieren wollen. Doch das Thema ist von andauernder Aktualität. Eine Spurensuche in Deutschland und Frankreich, warum wir so unachtsam mit Lebensmitteln umgehen und was wir als Konsumenten dagegen tun können:

In Deutschland landen laut Verbraucherzentrale jährlich 11 Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll. Wird zusätzlich die Menge an weggeworfenen Lebensmitteln bei Produktion, Transport und Weiterverarbeitung miteingerechnet, so kommt man sogar auf ganze 18 Millionen Tonnen pro Jahr . Fast die Hälfte aller produzierten Lebensmittel kommen demnach nicht beim Endverbraucher an, weil sie im Müll landen, vernichtet und als Tierfutter oder Energiegewinnung zweckentfremdet werden. Eine unvorstellbare Menge also, die aussortiert wird, weil eine krumme Karotte nicht den Normen entspricht, der Jogurt sein vermeintliches Verfallsdatum erreicht hat oder der Teller im Restaurant schlicht überladen war. Noch paradoxer erscheint diese ganze Situation, wenn man bedenkt, dass diese Lebensmittel an anderer Stelle oft fehlen. Und hier sprechen wir nicht von Entwicklungsländern, sondern auch von Ländern wie Deutschland und Frankreich. Diese unglaubliche und zu großen Teilen vermeidbare Verschwendung an Ressourcen hängt einerseits mit einem unachtsamen Konsumverhalten zusammen. Die Zusammenhänge zwischen Produktion und dem fertigen, oft sehr günstigen Endprodukt, werden oft nicht erkannt, ergo das Produkt an sich nicht sonderlich wertgeschätzt. Andererseits spielt auch die Globalisierung eine Rolle. Auf langen Transportwegen wird zwangsläufig mehr Obst und Gemüse beschädigt oder kommt verdorben an, als auf einem kurzen Transportweg beginnend beim Bauern aus der Region, der seine Ware im Bauernladen um die Ecke verkauft.

Wie können wir Lebensmittel vor der Tonne retten? Wir haben hier fünf Tipps und Links für euch zusammengestellt. So könnt ihr mit einfachen Gesten dazu beitragen, dass das Essen im Magen und nicht im Müll landet.

Mindesthaltbarkeitsdatum wörtlich nehmen

Es heißt “mindestens haltbar bis” und nicht “abgelaufen ab”: Die meisten Produkte sind noch mehrere Tage bis Wochen nach Erreichen des Mindesthaltbarkeitsdatums ohne Probleme genießbar. Am besten verlässt man sich hier auf seine Sinne. Übrigens gibt es auch in der Politik Überlegungen, in Zukunft lang haltbare Lebensmittel mit einem Herstellungsdatum anstatt mit einem Mindesthaltbarkeitsdatum zu versehen.

Etepetete

Gemüse, das im Supermarkt angeboten wird, muss bestimmten Schönheitskriterien entsprechen. Individualisten wie Karotten mit zwei Beinen oder Kartoffeln in Herzform werden da nicht gerne gesehen und gnadenlos aussortiert. Mit der Gemüseretterbox von Etepetete könnt Ihr genau diesem Obst und Gemüse eine Chance geben. Das Startup aus München arbeitet mit lokalen Bauern zusammen und versendet Gemüsekisten mit leckerem Biogemüse.

Zu gut für die Tonne!

Die kostenlose App vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz gibt nicht nur hilfreiche Tipps, wie man Nahrungsmittel am besten lagert. Schon gewusst, dass Bananen hängend gelagert bis zu zwei Wochen halten? Außerdem schlägt einem diese App tolle und einfache Rezepte vor, um Reste zu verwerten. Das heißt natürlich nicht, dass man beim Resteverwerten nicht auch selbst kreativ werden kann! Püriert als Smoothie oder im Ofen gegart schmeckt auch leicht runzliges Obst und Gemüse noch sehr lecker.

Too good to go

Das Startup mit sozialem Charakter vermittelt zwischen Restaurants, die ihre Reste lieber noch an den Mann bringen möchten und Kunden, die über die App Angebote in ihrer Nähe zum kleinen Preis sehen können. Ein simples und einleuchtendes Konzept, was vor allem für Großstädter gut funktioniert! Also Hole Dir eckeres Essen schon ab 2 Euro

Mitdenken und Teilen!

Ein achtsamer Umgang und eine Wertschätzung der Nahrung sind bei allem das A und O. Auch wenn Lebensmittel heutzutage erschwinglich geworden sind, haben diese doch oft einen weiten Weg hinter sich und haben viele Ressourcen verbraucht bis sie bei uns auf dem Teller landen. Umso wichtiger ist, dass wir ein Auge auf unsere Lebensmittel halten und sie nicht im Kühlschrank vergessen, nicht zu viel einkaufen und den Nachbarn oder Freunde zum Essen einladen, wenn es doch mal zu viel wird, Reste im Restaurant einpacken lassen. Die Liste ist endlos und auch ohne App auf dem Smartphone kann man ganz leicht dafür sorgen, dass eine Mahlzeit da hinkommt, wo sie auch hinsoll: in einen hungrigen Magen.

Behält man diese Tipps im Hinterkopf kommt man sicher nicht auf die rund 82 kg pro Kopf an aussortierten Lebensmitteln! Frankreich ist uns beim Thema Lebensmittelverschwendung einen Schritt voraus, denn dort müssen seit Februar größere Supermärkte Lebensmittel, die noch genießbar aber fast am Verfallsdatum angelangt sind, an gemeinnützige Organisationen gespendet werden. Angefangen hatte alles mit einer Petition auf change.org von Arash Derambarsh, dem 35-jährigen engagierten Mitglied des Gemeinderats von Courbevoie. Er setzte sich dafür ein, dass die Bedürftigen seiner Gemeinde kostenlos an die unverkauften Lebensmittel kommen. Die Petition erfuhr großen Zulauf, was dazu führte, dass Supermärkte ab einer gewissen Größe Partnerschaften mit gemeinnützigen Vereinen eingehen müssen, um das Spenden von Lebensmitteln zu vereinfachen.

Selbst noch Äpfel oder Fenchel rumliegen, die danach schreien in eine leckere Mahlzeit verwandelt zu werden? Auf unserem Blog gibt es viele tolle und gesunde Rezepte!

www.lemonde.fr
www.zeit.de
www.verbraucherzentrale.de
www.wwf.de
www.utopia.de