Wie reisen eigentlich die Franzosen?

Für die Deutschen ist Frankreich ein beliebtes Urlaubsland. Seine wunderschönen Mitteleerstrände, rauen Atlantikküsten, abwechslungsreichen Gebirgslandschaften sowie seine Kulturmetropolen und historischen Städte ziehen jedes Jahr Millionen von Besuchern an. Doch wie und wohin reisen eigentlich die Franzosen selbst?

Warum in die Ferne schweifen…?

In ihrer Reiselust stehen die Franzosen den Deutschen in nichts nach. Für rund drei Viertel aller Franzosen ist die jährliche Urlaubsreise eine Selbstverständlichkeit. In Deutschland sind das mit 77 % nur geringfügig mehr. Doch in der Art des Reisens unterscheiden sich unsere linksrheinischen Nachbarn doch deutlich von uns.

Während es die Deutschen vorwiegend ins Ausland zieht (69 %), verbringen die Franzosen ihren Urlaub am liebsten im eigenen Land (87,9 %) und in den französischen Überseegebieten (3 %). Unter den heimischen Urlaubszielen liegen die Küstenregionen ganz klar vorn. Fast ein Drittel aller Übernachtungen entfallen auf die beliebten Urlaubsorte am Mittelmeer, in der Bretagne und entlang des Atlantiks. Aber auch die Berge sind als Reiseziel bei den Franzosen sehr beliebt.

In den letzten Jahren ist aber auch eine starke Zunahmen bei den Auslandreisen zu beobachten. Allein 2014 stieg die Anzahl der Urlaubsreisen außerhalb Frankreichs um 8,2 % gegenüber dem Vorjahr. Diejenigen Urlauber, die das eigene Land verlassen, verschlägt es überwiegend ins europäische Ausland (56 %). An der Spitze liegen dabei – genau wie bei den deutschen Urlaubern – Italien und Spanien. Aber auch die USA (17 %) und Asien (13 %) werden als Fernziele immer beliebter. Auch zu afrikanischen Zielen haben die Franzosen historisch eine starke Verbindung, doch die politischen Unruhen in vielen Teilen des Kontinents haben dazu geführt, dass heute nur noch 11 % der französischen Auslandsreisen nach Afrika führen.

Mit dem Auto zu Familie oder Freunden

Aufgrund der vielen Inlandsreisen bleibt das Auto das Fortbewegungsmittel Nummer 1 für die Franzosen, insbesondere für Familien. Alleinreisende und Paare steigen aber auch immer öfter auf die Bahn oder das Flugzeug um – zwei Transportmittel, die für Familien oft schlichtweg zu teuer sind.

Innerhalb Frankreichs wählen die Urlauber mit Vorliebe kostengünstige Unterkünfte wie Pensionen und Gästezimmer (33,4 %) oder Campingplätze (8 %). Viele übernachten sogar gleich völlig kostenfrei bei der Familie (39 %), in der eigenen Zweit- oder Ferienwohnung (16,7 %) oder bei Freunden (8 %). Übernachtungen im Hotel (5,5 %) oder in Ferienclubs sind dagegen eher selten. Bei Auslandsreisen sieht das ganze natürlich schon etwas anders aus. Hier liegt der Anteil an nicht-kommerziellen Unterkünften mit rund 30 % deutlich niedriger als im Inland (2/3). Folglich wundert es auch nicht, dass für Fernreisen deutlich mehr Geld ausgegeben wird als für Heimreisen – im Schnitt etwa doppelt so viel. Im Durchschnitt geben die Franzosen 855 Euro pro Person und Urlaubsreise aus. Große Budget-Unterschiede gibt es aber nicht nur im Hinblick auf das Urlaubsziel, sondern auch auf die einzelnen Altersgruppen. Während die 18- bis 39-Jährigen gerade einmal 650 Euro pro Reise investieren, lassen sich die über 55-Jährigen ihren Urlaub rund 900 Euro kosten.

Im Urlaub ziehen die meisten Franzosen kulturelle Erkundungen sportlichen Aktivitäten vor. Dabei sind Kulturreisen besonders bei den über 65-Jährigen sehr beliebt. Dabei sind sie sehr selbstständig und organisieren ihre Urlaubsreisen zu 85 % in Eigenregie.

Nichts zu meckern – oder nur wenig

So nörglerisch wie die Deutschen sind die Franzosen im Urlaub bei weitem nicht. Knapp drei Viertel aller französischen Urlauber waren mit ihrer letzten Reise sehr zufrieden, auch wenn rund 20 % an dem einen oder anderen Detail etwas auszusetzen hatte. Die häufigsten Klagen gibt es bei jüngeren Reisenden und betrifft meist die Unterkunft, weil etwa bei der Reservierung etwas schiefgelaufen ist, die Unterbringung nicht dem versprochenen Standard entspricht, das Preis-Leistungsverhältnis als nicht angemessen empfunden wird, oder die Zimmer nicht sauber genug sind.

Quellen:
www.veilleinfotourisme.fr
FUR Reiseanalyse 2014