Ein Fest der Freude? Gedanken zur anstehenden Frankreich EM

Das Milliardenevent Europameisterschaft, dessen Gastgeber dieses Jahr Frankreich ist, ist nicht nur Anlass zu Vorfreude und Ausgelassenheit. In Folge der allgegenwärtigen Terrorgefahr nach den Anschlägen im November letzten Jahres wird Paris zu Beginn der EM 2016 immer mehr zur Sicherheitshochburg. Wie schaut es denn aus mit der Stimmung in der Hauptstadt, ist Paris der Euphorie und dem Fußballfieber verfallen? Und auf was müssen sich Urlauber in Paris einstellen?

Zuerst hier ein kurzer Überblick, von wem das Fußballevent des Jahres finanziert wird, bei den Zahlen ist allerdings Schwindelfreiheit gefragt. Insgesamt wurden 1,7 Milliarden € für die Renovierung und Sanierung von Fußballstadien in Frankreich ausgegeben. 38 % der Kosten, also fast 650 Millionen € wurden vom Staat, den Regionen und Städten getragen. Zusätzlich wurden von den Gemeinden ganze 400 Millionen in die Infrastruktur, beispielsweise in zusätzliche Busverbindungen investiert. Die Einnahmen gehen jedoch ganz klar an den Veranstalter, sprich die UEFA. Doch auch die lokale Wirtschaft profitiert zumindest kurzfristig von einem solchen Großevent, sei es durch Einnahmen im Hotelgewerbe oder durch die Schaffung von Arbeitsplätzen.

Das Augenmerk ist im Moment allerdings weniger auf die Finanzierung, als auf die Sicherheit der französischen Bevölkerung und der Fußballfans gerichtet. Laut Spiegel Online soll vor allem die Überwachung der Fan-Zonen in den großen Städten wie Marseille oder Lyon eine Herausforderung darstellen. 90.000 Sicherheitskräfte, bestehend aus Polizisten, Soldaten, Feuerwehrleuten und Hundestaffeln wurden in ganz Frankreich für die EM gestellt. Allein im Großraum Paris sollen 13.000 Sicherheitskräfte zum Einsatz kommen. Diese prägen natürlich auch das Stadtbild. Die Pariser selbst haben sich an die Soldaten, die auf öffentlichen Plätzen und Metrostationen patrouillieren mittlerweile gewöhnt. Für Nicht-Pariser entsteht dabei trotzdem noch teilweise ein beklemmendes Gefühl. Es wird geschätzt, dass insgesamt 1,5 Millionen ausländische Gäste zur EM nach Frankreich reisen. Was die Gäste allerdings konkret erwartet ist sicher kein authentischer Frankreichurlaub. In Paris sind Gratiskonzerte und Ausstellungen zur Fußballgeschichte geplant, den Fußballtouristen ist also neben den Fußballspielen Einiges geboten. Doch ob zwischen Hochwasser, Terrorgefahr und Streiks wirkliche Feierstimmung und Fußballeuphorie aufkommen wird, wagen wir zu bezweifeln.
Vielleicht ist es dann doch vernünftiger zu einem Zeitpunkt in die französischen Großstädte zu reisen, wenn nicht alle Hotels überfüllt sind und die Straßen nicht von grölenden Fußballfans und Soldaten überlaufen sind.

Unser deutsch-französisches Team von France écotours freut sich natürlich trotzdem auf spannende Fußballspiele und wird mit unseren Nationalmannschaften mitfiebern. Allerdings dann doch lieber beim Public Viewing in Frankfurt am Main als in Paris.

Christiane Hawlik

http://www.lemonde.fr/euro-2016/video/2016/06/08/a-qui-profite-l-euro-de-football_4942504_4524739.html
http://www.spiegel.de/politik/ausland/em-2016-in-frankreich-torjubel-und-terrorgefahr-a-1095826.html
http://www.handelsblatt.com/sport/em2016/fussball-europameisterschaft-mehr-militaer-und-polizei-zur-sicherung-der-em-in-paris/13696340.html