Mit dem E-Bike durch die Lozère
Gastbeitrag von Steven Hille

Am Tage mit dem Pedelec durch die herrliche Landschaft der Lozère radeln und abends wie Gott in Südfrankreich in tollen Schlössern speisen: Das ist mit diesem Tourvorschlag möglich.

Hinter der Kurve konnte ich das Château d’Ayres schon sehen. Nur noch ein Kilometer unbefestigte Schotterstraße trennte mich von meinem Abendessen. Ich schaltete einen Gang nach unten und erhöhte die Leistung des Pedelec-Motors, der mich den ganzen Tag schon so gut unterstützt hatte. Etwa 60 Kilometer lagen an diesem Tag bereits hinter uns. Radfahren in der Lozère in Südfrankreich ist keine einfache Übung. Der Streckenverlauf jeder Tagesetappe besteht aus einem immensen Wechselspiel aus Bergauf- und Bergabfahrten. Bereits seit einigen Kilometern war der Pedelec-Akku mindestens genauso erschöpft wie ich. Innig hoffte ich, dass er diesen einen Kilometer noch überstehen würde.

Gerade in dem Moment als die Anstrengung am größten schien, hörte der Elektromotor auf zu surren. Der Akku war leer, der Motor konnte beim Treten nicht mehr unterstützen und ich musste trotz meiner Erschöpfung nun die restliche Kraft hervorbringen um uns beide an das Ziel zu bringen. Mir lagen die Kilometer der letzten Tage in den Beinen und ich war hungrig. Keine gute Kombination. Aber den einen Kilometer schaffte ich nun auch noch ohne zimperlich zu sein. Schließlich wartete das Abendessen schon auf mich.

Tagsüber radeln, abends schlemmen

An jenem Tag erreichte ich das letzte Schlosshotel meiner Etappe. Vier Tage war ich in der Lozère mit dem Pedelec, einem Elektrofahrrad, welches über einen Elektromotor das Fahrradfahren vereinfacht, unterwegs. Das Pedelec fährt nur, wenn auch selbst geradelt wird. Es gilt als kleiner Bruder des E-Bikes, also einem elektrischen Fahrrad bei dem nur gesessen und der Geschwindigkeitsregler bedient werden muss. Besonders in hügeligen Landschaften ist das Pedelec genial, denn es ermöglicht, dass nicht nur Leistungssportler mit ihren Hightech-Rennrädern in den Bergen unterwegs sind, sondern auch unsportlichere oder ältere Menschen.

Nach vollendeter Tagestour gab es meistens vier, fünf oder gar sechs Gänge zum Abendessen. Für jemanden wie mich, der noch nie ausgiebig in Frankreich zu Abend gegessen hatte, war das eine wahre Freude. Ich bin ein Fan guter Speisen und koche selbst sehr gerne und regelmäßig. Doch die in den Schlosshotels gebotene Küche übertraf meine offensichtlich arg begrenzte Vorstellung vom Kochen um einiges. Ich aß in den wenigen Tagen der Tour, Unmengen an schmackhaftem Fisch aus der Region, jede Menge Süßspeisen und Törtchen. Als besonderes Highlight erinnere ich mich gerne an eine Art Rührei in einem kostenvollen Glaszylinder, das mit Hilfe von Spiritus erst am Tisch zum Garen gebracht wurde. Aber auch die obligatorische Käseplatte nach dem Hauptgang hatte ihre Reize. Ich fühlte mich wie Gott in Südfrankreich.

Und zwischendurch? Kultur!
Als wäre Radfahren durch eine herrliche Landschaft und fürstliches Speisen noch nicht genug, so hatte jede Tagestour kulturelle Schwerpunkte und zeigte einige Einblicke in das heutige und vergangene Leben der Region.

Gleich am Anfang der ersten Etappe führte uns eine schmale und besonders steile Straße von Florac auf eines der zahlreichen Plateaus der Cevennen. Flora und Fauna der Lozère sind durch ihre Natürlichkeit geprägt. Während auf den Plateaus der umliegenden Berge ausschließlich karge Wiesen- und Sträucherlandschaften vorzufinden sind, gedeihen in den Tälern, mit all ihren Flüssen, diverse sattgrüne Pflanzenarten.

Um kulturelle Highlights der Tour nicht einfach wahllos aufzuführen, habe ich eine Übersicht meiner Fahrradreise samt aller Informationen und Eckdaten erstellt.

Die Eckdaten der Tour im Überblick:

1. Tagesetappe
Cocurès – Mativet: 16 km
Mativet – Castelbouc: 12 km
Castelbouc – Sainte Enimie: 8 km
Sainte Enimie– La Malène: 13km
Länge der Strecke: 49 km
Dauer: etwa 4 h
Anstrengung: sehr anstrengend
Höhepunkt auf der Strecke: Bauernhöfe, kleines Dorf Sainte Enimie
Übernachtung: La Lozerette (Cocurès)

2. Tagesetappe
La Malène – Les Vignes: 11km
Les Vignes – Saint Pierre des Tripiers: 14km
Saint Pierre des Tripiers – Meyrueis: 22 km
Länge der Strecke: 47 km
Dauer: 3 h 45 min
Anstrengung: ausgeglichen
Höhepunkt auf der Strecke: Bootsfahrer von La Malène
Übernachtung: Manoir de Montesquiou (La Malène)

3. Tagesetappe
Meyrueis – Drigas : 13 km
Drigas – Vébron : 27 km
Vébron – Cocurès : 17 km
Florac – Cocurès : 5 km
Länge der Strecke: 57 Kilometer
Dauer: 4 h 30 min
Höhepunkte auf der Strecke: Grotte L’Aven Armand
Anstrengung: anstregend
Übernachtung: Château d’Ayres (Meyrueis)

Autoreninfo:

Steven ist 26 Jahre alt, durchweg Optimist und Träumer und sehnt sich nach mehr Abenteuern in der Natur. Er sorgt sich um unsere Umwelt und ist der Meinung, dass wir mehr Verantwortung für unsere Schöpfung tragen sollten. Daher denkt und lebt er nachhaltig, reist fast ausschließlich mit der Bahn und isst aus diversen Grünen seit fast drei Jahren kein Fleisch mehr. Über seine Reisen und das Thema Nachhaltigkeit schreibt er auf www.funkloch.me

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