Autofreie Insel: Ile de Bréhat, Bretagne

Die vierte Station auf unserer Tour durch die autofreien Inseln Frankreichs ist die Ile de Bréhat, auch Insel der Blumen (île aux fleurs) genannt. Die einzige Inselgemeinde des Departements Côtes-d’Armor liegt rund zwei Kilometer von der Landspitze Pointe de l’Arcouest entfernt und umfasst etwa hundert, teils winzig kleine Inseln, die sich auf einer Länge von 3,5 Kilometern, einer Breite von 1,5 Kilometern und einer Fläche von 290 Hektar erstrecken. Die Hauptinsel besteht wiederum aus zwei Teilen, der Nord- und der Südinsel, die über eine steinerne Brücke, der Pont ar Prat, miteinander verbunden sind. Ebbe und Flut bestimmen den Rhythmus der Inseln, die von rot-orangenen Felsformationen umgeben sind, die in der Abendsonne umso intensiver leuchten – eine bewegende Landschaft von ergreifender Schönheit!

Dank ihres milden Klimas – die Temperaturen sinken selbst im Winter kaum einmal unter 6°C – beherbergt die Ile de Bréhat eine reiche Pflanzen- und Blumenvielfalt. Es ist also nicht verwunderlich, dass die gesamte Inselgruppe unter Naturschutz steht und als „außergewöhnlicher Naturschauplatz“ ausgezeichnet wurde. Das französische Naturschutzgesetz von 1905 kam auf Bréhat zum allerersten Mal zur Anwendung. Neben heimischen Pflanzen findet man hier auch zahlreiche exotische Arten wie Passionsblumen, Jasmine, Palmen, Feigenbäume und sogar Agaven, die Seefahrer von ihren Expeditionen mitgebracht haben.

Zu Fuß, mit dem Fahrrad oder auf einem Traktoranhänger geht es auf Erkundungstour durch die engen Gässchen von Bréhat mit ihren malerischen Häusern und blühenden Vorgärten. Das Städtchen liegt auf der Südinsel und ist mit kleinen Gärten aus Hortensien, Feigenbäumen, Mimosen, Eukalyptus und Schmucklilien gesäumt. Ein Spaziergang hier mutet fast tropisch an. Über die Pont ar Prat verlassen wir die sanfte, mit Blumen übersäte Südinsel und erreichen den grünen Norden mit seinem Heideland und seinen wilden Buchten. Der Weiße Turm, der Seefahrern als Landmarke dient, der Semaphor und die Leuchttürme von Rosédo und die Landspitze Pointe de Paon zeichnen sich hier vom türkisgrünen Meerwasser ab.

Bréhat war nicht immer eine Insel. Als die ersten Menschen in der Altsteinzeit am Felsen von Goareva hinter der heutigen Mole siedelten, war dieser noch mit dem Festland verbunden. Bei Flut ist diese Stelle heute vom Wasser bedeckt.

Auf einigen Inseln des Archipels von Bréhat finden sich Überreste von Klöstern und Abteien (z.B. Lavrec, Saint Maudez, Ile Verte) und den Heiligen, die einst hier lebten (Budoc, Gwenolé, Maudez…). Im Mittelalter gehörte Bréhat zur Grafschaft von Penthièvre, die sich von Lamballe bis Guingamp erstreckte. Im 14. Jahrhundert wurde eine Festung errichtet, die der Insel jedoch nicht lange Schutz bieten sollte: Im Jahre 1409 wurde Bréhat von den Engländern im Namen des bretonischen Herzogs Jean V eingenommen, verwüstet und niedergebrannt.

Tapfere Korsaren, isländische und neufundländische Fischer – die Geschichte von Bréhat ist untrennbar mit dem Meer verbunden. Seeleute aus Bréhat sollen schon sehr früh in Neufundland gelandet sein und der Korsar Jehan Coatenlem soll Christoph Kolumbus den Seeweg nach Amerika gezeigt haben. Während der französischen Revolution spielte die Insel aufgrund ihrer Lage zwischen Saint-Malo und Brest eine strategische Rolle. Anfang des 19. Jahrhunderts wurden zahlreiche Leuchttürme und Seemarkierungen errichtet. Die Insel diente als „marines Ausbildungslager“ sowohl für Handelsleute als auch für das Militär.
Ende des 19. Jahrhunderts kamen die ersten Touristen und Künstler, unter ihnen vor allem französische aber auch ausländische Maler, auf Bréhat. Heute ist die Insel ein ausgesprochener Urlaubs- und Künstlerort.
Bréhat blieb aber auch nicht von den Folgen diverser Tankerunglücke verschont. So wurde die Küste im März 1978 von der Ölpest der Amoco Cadiz getroffen.
Heute ist Bréhat zwar ganzjährig bewohnt, erfreut sich aber insbesondere in der Urlaubssaison eines starken Zulaufs. 1846 zählte die Insel noch rund 2000 ständige Einwohner; heute leben nur noch 419 Menschen ganzjährig dort. Die Zahl der Wochenend- und Ferienbewohner wächst dagegen ungehindert weiter. Von den 833 Wohnhäusern und Wohnungen werden heute gerade einmal 195 als Hauptwohnsitz genutzt (23,4 %). Der Großteil der Dauerbewohner lebt auf der Nordinsel, während sich die Urlauber meist im Süden aufhalten.
Die Ile de Bréhat ist an das öffentliche Versorgungssystem angeschlossen und bezieht sowohl Wasser als auch Strom über Unterwasserleitungen vom Festland. Das Mobil- und ADSL-Netz deckt die gesamte Insel ab. Zusätzliche Energie liefert ein Meeresströmungskraftwerk. Trinkwasser wird traditionell aus Regenwasser gewonnen.
Für die Sicherheit der Bevölkerung sorgt eine freiwillige Feuerwehr und ein Semaphor wacht von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang über eine der meistfrequentierten Stellen der Küste.
Die Wirtschaft lebt hauptsächlich von Tourismus, Schiffsbau und Handwerk.
Die Glaskunst von Bréhat zählt zu den wichtigsten Einnahmequellen der Insel. Hier werden hochwertige Kunstgegenstände wie Glaskugeln, Knöpfe, Türgriffe, Fenster und Möbel hergestellt. Eine weitere Besonderheit ist das Salzbecken von Lenn auf der Nordinsel, das durch einen natürlichen Deich aus Kies vom Meer getrennt ist und in dem die geschützte Meerkohlart chou de mer de Bréhat wächst.
Bei einer Wanderung auf der Insel darf eine Besichtigung der berühmten Gezeitenmühle von Birlot nicht fehlen. Die Mühle wurde zwischen 1633 und 1638 erbaut und kürzlich renoviert und zählt zu den schönsten der Bretagne. Bis 1916 wurden hier jährlich 25 Tonnen Mehl gemahlen. Heute ist man auf das Mahlen von Buchweizen umgestiegen.

Um die Besonderheiten der Insel nicht im Massentourismus zu verpassen und zu ihrem Erhalt beizutragen, empfiehlt es sich, Bréhat außerhalb der Hochsaison im Juli und August zu besuchen.

Anreise: Anlegehafen Pointe de l’Arcouest in der Gemeinde Ploubazlanec; Anreise mit dem Zug bis zum Bahnhof von Saint-Brieuc (ca. 50 km entfernt) und weiter mit der Buslinie 9 (Infos unter www.tibus.fr) oder bis zum Bahnhof von Guingamp und weiter mit der Regionalbahn TER bis Paimpol.