Lastpferde in Frankreich

Die Rückkehr in die nachhaltige Landwirtschaft

Das Lastpferd, das jahrhundertelang ein unentbehrlicher Arbeitsbegleiter der Menschheit war, verlor seine Nützlichkeit Ende des 19. Jahrhunderts aufgrund der Entwicklung der Eisenbahnnetze und der anschließenden Motorisierung mehrere Wirtschaftszweige, insbesondere der Landwirtschaft und im Flussverkehr. In den letzten 30 Jahren ist in Frankreich jedoch ein Wiederaufleben deren Einsatz zu verzeichnen.

Der französische ländliche Raum hat begonnen, sich nachhaltigen Methoden zuzuwenden. In der Tat bietet das Lastpferd eine echte ökologische Alternative zu Maschinen in Prozessen wie Schleudern, Pflege von Grünflächen, Müllabfuhr und spezielle landwirtschaftliche Arbeit (Hanglagen, Pflügen von Weinbergen, Gemüseanbau, kleine Flächen…). Zudem spielt es eine Rolle in der Entwicklung des Tourismus in ländlichen Gebieten und im sogenannten “slow tourism”.

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Zahlen und Fakten: Wussten Sie das schon?

  • * Ein Lastpferd wiegt je nach Rasse und Geschlecht zwischen 600 und 900 kg.
  • * Ein Lastpferd kann etwa anderthalb Mal sein eigenes Gewichts heben.
  • * Die durchschnittliche Trabrenngeschwindigkeit eines Lastpferdes liegt zwischen 3 und 6 km/Stunde im angespannten Zustand.
  • * Insgesamt gibt es in Frankreich 9 Rassen: Percheron, Boulonnais, Ardennais, Auxois, Trait Breton, Cob Normand, Comtois, Poitevin Mulassier und Trait du Nord.
  • * Frankreich ist eines der wenigen Länder, das über ein vollständiges genetisches Erbe von Zugpferden verfügt.
  • * Die Mehrheit der aus Kreuzungen hervorgegangenen Lastpferderassen erschien im 18. Jahrhundert, hauptsächlich für militärische und landwirtschaftliche Zwecke.
  • * Das Comtois-Pferd ist die Nummer 1 unter den französischen Lastpferderassen und eines der Symbole seiner Ursprungsregion Franche-Comté.
  • * 1995 wurden lediglich 27.000 Lastpferde gezählt, im Vergleich zu 32.000.000 im Jahr 1913.
Chevaux de trait

Die neun Rassen von Lastpferden in Frankreich

Weltweit existieren insgesamt mehr als 45 Rassen von Lastpferden. Frankreich besitzt heute noch neun davon und ist damit eines der wenigen Länder, das über ein derart vollständiges genetisches Erbe verfügt, auch wenn einige Rassen vom Aussterben bedroht sind. Der Rückgang deren Zahlen ging einher mit der Umwandlung der Nutzungszwecke, u.a. eine Zuwendung an den Schlachthof.

Die Lastpferde sind allerdings Teil der französischen Geschichte: Die normannischen Cobs waren Kutsch- und Postpferde, die Percherons wurden in den Städten für den Personen- oder Warentransport angeschirrt, die “Mareyeusen” von Boulogne nach Paris, die “Mareyeusen” aus dem Boulonnais transportierten Fisch von Boulogne nach Paris. Bis zur allgemeinen Mechanisierung in den 1950er Jahren ließ sich das Land über die Tiertraktion versorgen.

Alle Rassen von Lastpferden stammen aus West- und Nordeuropa. Während die Ardennen als auch die Comtois seit der Antike bekannt sind, erschien der Cob Breton im Mittelalter. Die restlichen Rassen stammen von Arbeitspferden mit phlegmatischem Temperament ab, die in der Landwirtschaft und anschließend zum Ziehen von Militär- oder Zugmaschinen eingesetzt werden.

Comtois

700 kg Durchschnittsgewicht, und zwischen 1,50 und 1,65 m Widerristshöhe .

Der Comtois ist kompakt gebaut und hat einen lebendigen Charakter. Er passt sich allen klimatischen Bedingungen an und wird in verschiedenen Umgebungen als Zugfahrzeug eingesetzt: beim Schleudern im Wald, bei landwirtschaftlichen Arbeiten und in der Stadt.

Das Percheron

900 kg, misst etwa 1,55 bis 1,72 m am Widerrist.

Der Percheron hat große Qualitäten zum Treiben und Ziehen: Kraft, Gangart, Ästhetik und Freundlichkeit. Viele Kommunalbehörden greifen für ihre städtischen Arbeiten auf ihn zurück.

Das Ardennais

850 kg, Widerristhöhe zwischen 1,60 und 1,62m.

Die Ardennen wurden einst in den zahlreichen Tiefbaugruben im Nord-Pas-de-Calais und in Belgien genutzt. Heute passt sie sich einer Vielzahl von Aktivitäten in der Stadt oder auf dem Land an.

Sehr gefügig, Ardennais sind für Kinder geeignet. Sie sind energisch und kooperativ.

Der Bretone

800 kg, Widerristhöhe zwischen 1,45 m und 1,70 m.

Sein energischer Gang und seine Folgsamkeit machen ihn ideal für Wettkampf und Tourneen. Die Rasse wird auch für Präzisionsarbeiten im Gemüseanbau eingesetzt.

Das Bretonische Pferd ist robust und fleißig, benötigt wenig Pflege und ist sehr widerstandsfähig. Sein ruhiges Temperament nacht es ein nettes und vertrautes Tier.

Boulonnais

Der energische und aktive Boulonnais ist ein ausgezeichnetes Nutz- oder Prestigearbeitspferd. Er wird wegen seiner Eleganz und der Qualität seines Gangs sehr geschätzt.

Der Auxois

Der Auxois wird in der Landwirtschaft geschätzt, weil seine Kraft ihn zu einem guten Lastpferd macht. Er wird für das Schleudern im Wald, Reiten für Anfänger und die Stutenmilchproduktion verwendet.

Le Cob Normand

Der normannische Kolben wird für Freizeit- und Wettbewerbsfahrten geschätzt, bei dessen sein brillanter Gang und seine Finesse geschätzt werden.

Der Poitevin

Der Poitevin ist ein großes, robustes und schwer gebautes Tier, das zunehmend für Freizeitfahrten eingesetzt wird.

Trait du Nord

Mit einer Widerristhöhe von bis zu 1,90 Metern ist es nach wie vor die größte Zugpferderasse.

Der Trait du Nord hat sich hauptsächlich an schweren landwirtschaftlichen Arbeiten (Pflügen und Ernten) beteiligt.

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Wie nachhaltig und umweltfreundlich sind Lastpferde?

Das steigende Bewusstsein für die globale Erwärmung und die Auswüchse der intensiven Landwirtschaft hat eine größere Rücksicht auf die Natur geweckt. Hier nimmt das Lastpferd als ökologisch sauberes Traktions-“Werkzeug” seinen vollen Platz ein.

Die Landwirtschaft:

Das Ackerpferd ist hauptsächlich in drei landwirtschaftlichen Sektoren zu finden:
- Schleudern
- Weinbau
- Gemüseanbau

Das Lastpferd und nachhaltige Entwicklung

Das Bewusstsein für die globale Erwärmung und die Auswüchse der intensiven Landwirtschaft haben die Mentalitäten verändert. Einige Verbände versuchen nun nachzuweisen, dass für bestimmte Anbaubedingungen (Hangparzellen, Weinberge, kleine Flächen usw.) der Einsatz von Tiertransporten ebenso rentabel ist wie der von Traktoren. Der Einsatz von Pferden verhindert etwa die Bodenverdichtung und schützt den Boden durch Begrenzung der Erosion.

Lastpferde bringen folgende Vorteile zur Land- und Forstwirtschaft:

  • Das Schleudern im Wald entwickelt sich in Bergregionen, wo das Tier durch seine Beweglichkeit produktiver als eine motorisierte Maschine seie und dadurch die empfindlichen Ökosysteme mehr respektiert.
  • In Weinbergen begrenzt diese Fahrweise Verletzungen der Pflanzen. Die Traktion der Tiere ermöglicht es, den Wert ihres Besitzes trotz umweltbedingter Einschränkungen wie Bodenstruktur, Neigung, Enge, Parzellenkonfiguration (kleine, fragmentierte Flächen, Vorhandensein von Hecken) und Abstand zwischen den Reihen zu steigern.
  • Reduzierung des Verbrauchs fossiler Brennstoffe sowie Umweltschutz durch Begrenzung von Verschmutzung, Rückständen und lästigem Lärm.
  • Der Einsatz von Pferden ist kostengünstiger als der Einsatz von Maschinen, insbesondere was die Anfangsinvestitionen betrifft.
  • Das Pferd profitiert von einem Sympathiekapital, das vor allem im Direktvertrieb ein gutes Image begünstigt und eine gute Beziehung zu den Kunden ermöglicht.

Wie die Ausrüstung muss auch das Pferd dem Territorium, d.h. den Boden- und Relieftypen angepasst sein. Pferderassen sind aufgrund ihrer Abstammung bereits an ihren einheimischen geographischen Gebieten angepasst. Vor der Mechanisierung orientierte sich die Entwicklung der Zuchtbetriebe in der Tat an den Bedürfnissen und Anforderungen der Zeit, d.h. an der zu verrichtenden landwirtschaftlichen Arbeit.

Die drei Rassen von Zugtieren, die am häufigsten in der Landwirtschaft eingesetzt werden, sind Bretonisch (30 ), Comtois (29 ) und Percheron (28 %).

Pflege von Grünflächen und Naturräumen :

Das Programm “Pferd und Territorium” hat seit 2006 die ersten Elemente zur Rolle und Bedeutung von Pferden für die Entwicklung ländlicher und stadtnaher Gebiete in Frankreich hervorgehoben. Die Nutzung durch die Gemeinden (Trouville, Rambouillet, St. Pierre sur Dives und viele andere) für die Pflege von Grünflächen, die Müllabfuhr… eröffnet neue Perspektiven für Lastpferde. Die Sichtbarkeit dieser Initiativen ermöglicht ein breiteres Bewusstsein für die Zukunft dieser Tiere.

Das Pferd nimmt auch an Aktionen zum Schutz und zur Sicherung sensibler Naturgebiete teil. Sie haben leichteren Zugang zu bestimmten Gebieten als Kraftfahrzeuge, was sie zu einem wirksamen Element bei der Überwachung und Erhaltung des Naturerbes macht sowie das Verringern von Sicht- und Lärmbelästigung.

Bestimmte Naturgebiete am Rande von städtischen Gebieten (z.B. Bois de Vincennes) sind besonders beliebt, vor allem zum Reiten. Die Leitungsorgane dieser Gebiete können sowohl Pferdewächter als auch eine Dokumentation über die Verhaltensregeln entwickeln. Es gibt auch unerwartetere Programme wie den Öko-Pastoralismus zu Pferd, die Entwicklung einer Rasse, die die biologische Vielfalt mit der Erhaltung der Küste verbindet bzw. die Erhaltungs- und Bildungsmaßnahmen in Natura 2000 klassifizierten Gebieten.

Beitrag zum Ökotourismus und Slow Tourism

In Frankreich werden der Percheron, der Comtois, der Cob Breton und die Ardennen heute für die Traktion von Freizeitanhängern und Wohnwagen genutzt. Ausritte bieten den Züchtern eine zusätzliche Einkommensquelle und ermöglichen es der Öffentlichkeit – insbesondere den Familien -, den Reichtum und die Schönheit der ländlichen Gebiete wieder zu entdecken. Diese Art von Urlaub im “Pferderhythmus” ist eine Gelegenheit für die Stadtbewohner, einen ruhigeren Umgang einzuschlagen und die Natur erneut zu genießen.

Seit 2013 bietet France écotours in Zusammenarbeit mit ausgewählten Züchtern Wohnwagenurlaub in verschiedenen Regionen an.

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Unsere Pferdezüchter beantworten Ihre Fragen über Lastpferde:

- Wie spannt man ein Lastpferd ein und worauf ist dabei zu achten?
- Welche Kriterien muss man bei der Auswahl der Lastpferde berücksichtigen?
- Was isst ein Lastpferd?
- Welche Pferderasse eignet sich am Besten für Zigeunerwagenreisen?

Roulotte bourgogne

Francois_Züchter aus der Südburgund

Zunächst finde ich es großartig, dass Sie sich für dieses Thema interessieren. Wenn es etwas gibt, das mir gefällt, dann ist es der Austausch von Informationen zugunsten der Öffentlichkeit. In der Tat ist der Charakter des Pferdes entscheidend; seine Herkunft und Genetik sind vielmehr eine Frage des persönlichen Geschmacks und der geografischen Lage. Neben mir war das Nationalgestüt Cluny das einzige Gestüt in Besitz von praktisch allen neun Zugpferderassen.

Als Pflanzenfresser sind für Lastpferde Gras, Heu und Laub eine perfekt geeignete Nahrung. Pellets und andere Getreidearten sollten nur an anstrengenden Tagen z.B. bei schweren forst- oder landwirtschaftlichen Arbeiten gefüttert werden.

Wenn es um die Beladung geht, hängt alles von der Entlastung und der Griffigkeit ab. Einige Straßenflächen sind rutschig, was je nach Entlastung eine bestimmte Fahrtechnik erfordert. Um die Rutschgefahr zu begrenzen, verwende ich zum Beispiel Wolframkegel. Auf meiner Tour erfordern einige steile Abschnitte, dass ich mit meinem Eigengewicht keine Zusatzbelastung zufüge und aus dem Wagen steige.

Das Anhängen und Aufspannen erfordert grundlegende Kenntnisse, insbesondere Kenntnisse über Gesten.
Dasselbe gilt für das Fahren, eine zu schwere oder zu leichte Hand kann unglückliche Folgen haben. Dazu das Sprichwort “eine eiserne Hand in einem Samthandschuh”.
So meine Zusammenfassung von einem umfangreichen Thema. Ich stehe Ihnen für Bemerkungen, Argumente und andere Kommentare zur Verfügung.

Dominique, Karawanenführer im Jura:

Es kann das Anderthalbfache seines Eigengewichts ziehen – und das Dreifache auf volle Pulle.

Man braucht zwei zum Ankuppeln, und niemand sollte sich im Anhänger befinden. Ein Zugpferd wird von der Vorder- in die Hinterhand gespannt, immer mit Hilfe des Fahrers an der Spitze des Pferdes. 5 Sachen sind dafür nötig: eine Hilfsperson des Kutschefahrers – die Bremse – der Führer – die Stimme – der Stock.

Sie müssen ein fügsames und ruhiges Pferd wählen . Eins, das ohne direkte Beaufsichtigung länger anhalten kann. Ich finde das Comtois-Pferd sehr gutmütig, anhänglich und nicht zu groß. Ideale Eigenschaften für den Anhänger.

Ein Lastpferd frisst hauptsächlich Gras und Heu, aber Sie können ihm auch Salzstein und Zusätze geben: Gerste – Mehl – Mais – Kleie.

Die Reiserouten liegen hauptsächlich auf Wegen abseits der Straßen, ohne Steigungsunterschiede, was eine einfache Navigation und vollständige Sicherheit ermöglicht. Jeder Urlauber erhält ein individuelles und personalisiertes Training, bevor er einer maßgeschneiderten Route mit Badeplätze entlang bukolischer Landschaften folgt, hier gibt es keine Konvois. Es ist ein nachhaltiges Urlaubskonzept wo die Pferdekutschen vor jeder Abreise regelmäßig kontrolliert werden.

Jean-Pierre, Züchter aus der Bretagne

Wir sind in der Bretagne, die Rasse, die wir haben, hat also bretonische Züge!!! Das Doppelte ihres Gewichts zu ziehen ist ihre Sonderfähigkeit. Im Allgemeinen brauchen Sie ein ruhiges und gelassenes Pferd mit gesunden Füßen !

Wir helfen Urlaubern beim An- und Abkuppeln, damit sie sicher und gut aufgehoben sind.

Ein Lastpferd frisst Heu, Stroh, Gras und einige Pellets. Vermeiden Sie Hafer, es sei denn Sie füttern ein Turnierpferden.

Bernard, Züchter aus Gers

Ein Lastpferd kann je nach Intensitätsgrad in der Regel fast das doppelte und bergauf das 1,5-fache seines Gewichts ziehen.

Zum Zeitpunkt des Trampens müssen Sie mit ihnen sprechen. Wir kommunizieren mit ihnen als wären sie Menschen. Sie sind von Natur aus ängstlich, denn in prähistorischen Zeiten waren Pferde kleiner und die bevorzugte Nahrung großer fleischfressender Raubtiere. Deshalb schlafen sie im Stehen.

Ich wähle ein Pferd nach meinem Gefühl aus. Ich wähle ein Pferd nach seinem Charakter und seinem Aussehen aus. So mache ich es immer. Und es gibt einen Unterschied zwischen Stuten und Wallachen zum Fahren. Die Weibchen behalten ihren Charakter und reagieren entsprechend ihrer Hormone, wenn sie z.B. läufig sind. Ein Wallach hat einen regelmäßigeren Charakter und ist leichter zu führen.

Meine Pferde fressen Heu von meinem Biohof, eine Nahrungsergänzung mit Alfalfa, Gerste, Mais, Ballaststoffen und Mineralien. Ich bekomme meine Lieferungen von meiner Genossenschaft in Gers.

Im Südwesten Frankreichs gibt es keine typischen Lastpferde, aber es gibt eine lokale Halbpyrenäenrasse, die sich durch ein schwarzes Fell auszeichnet. Diese Rasse ist jedoch nicht für die Traktion von Wohnwagen geeignet. Auf meinem Hof habe ich 10 Zugpferde. Für die Wohnwagen wähle ich sie nach ihrem Charakter und ihrer Persönlichkeit aus: Cob Breton, Comtois, Norman Cob. Ich hänge sehr an ihnen und behalte die Pferde nachdem sie keine Wohnwagen mehr ziehen können.

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Quellen

- “Female horses spontaneously identify a photograph of their keeper, last seen six months previously,” Scientific Report
- Rapport “ L’utilisation du cheval de trait dans l’agriculture contemporaine en France” – Agro-Sup Lyon 2012-13
- La filière équine française à l'horizon 2030 (INRA)
- https://www.energie-cheval.fr/
- http://www.hippologie.fr/trait-breton
- http://www.sfet.fr/
- https://www.lamichaudiere.fr/le-cheval-de-trait/
- https://www.ifce.fr/ifce/decouvrir-institut/