Nachhaltigkeit ist ein großes Thema. Nicht nur im Bereich Business, Haushalt und Stromerzeugung wächst das Bewusstsein dafür. Die Verschmutzung der Weltmeere und das große Problem mit dem Plastikmüll schafft grenzübergreifend ein tiefes Umweltbewusstsein. Das greift in jegliche Lebensbereiche ein: Beim Einkauf gibt es keine freien Plastiktüten mehr und auch das Plastikbesteck wird zukünftig aus den Regalen verbannt. Stattdessen kommen immer mehr umweltfreundliche Alternativen aus Bambus, Holz oder gar recyceltem Papier auf den Markt. Und auch vor der Mode macht der Trend nicht Halt. Frankreich als sehr modebewusstes Land und Paris als die Hauptstadt der Mode dürfen da natürlich nicht fehlen. Wir möchten nachhaltige Mode aus Frankreich vorstellen und unseren Lesern näherbringen, wie sie sowohl im Alltag als auch auf Reisen umweltbewusst handeln können, ohne auf Komfort verzichten zu müssen.

Frankreich und Mode – Eine Liebesbeziehung

Frankreich gilt als das Land der Mode und Paris – ganz abgesehen mal von dem Ruf als „Stadt der Liebe“ – ist die Modemetropole schlechthin. Die Französinnen gelten als bestgekleidetste Damen der Welt und mit Coco Chanel, Christian Dior, Yves Saint Laurent und vielen weiteren bekannten Modeschöpfern ist Paris auch die Wiege der Haute Couture. Die Französinnen gelten als Inbegriff der simplen Eleganz, des unkomplizierten Schicks. Frankreich und Mode haben also eine ganz besondere Beziehung zueinander.

In den letzten Jahren hat sich mit dem steigenden Bewusstsein für die schlechter werdende Situation des Planeten auch etwas im Bereich der Mode getan. Kleidung wurde nachhaltiger, sowohl in der Herstellung, der Verwendung der Ressourcen als auch im Umgang mit den Arbeitern. Viele Betriebe informierten sich das erste Mal eingehend darüber, unter welchen Umständen ihre Mode produziert wird, um so einen nachhaltigeren Wandel vollziehen zu können. Frei unter dem Motto „Tu Gutes und rede darüber“ begannen global agierende Unternehmen, Nachhaltigkeitsberichte anzufertigen und diese regelmäßig vorzulegen.

Natürliche Materialien und die nachhaltige Produktion

Seitdem geht es stetig weiter in der Entwicklung „Mode und Nachhaltigkeit“. Vor allem geht es dabei um die Materialien. Wird einerseits versucht, auf natürliche Stoffe zu setzen, versuchen andere auch die Kunstfaserproduktion nachhaltiger zu gestalten. Gerade in puncto Sportkleidung kommen die Produzenten um die Verwendung von Hightech-Textilien aus synthetischer Herstellung nicht herum. An dieser Stelle wird jedoch darauf geachtet, dass so wenig Schadstoffe wie möglich in den Umweltkreislauf gelangen, dass die Ressourcen so sinnvoll wie möglich eingesetzt werden und vor allem, dass für einen Recycling-Kreislauf gesorgt ist. Das bestätigen auch verschiedene Siegel.

In diesem Kontext ist ebenfalls festzustellen, dass auch natürliche Materialien nicht zwangsläufig dafürstehen, dass die Produktion umweltschonend abläuft. Sowohl für Baumwoll- als auch die Schafswollproduktion wird eine erhebliche Menge an Wasser verbraucht, ganz zu schweigen von dem oft nicht mal ansatzweise nachhaltigen Umgang mit den Arbeitskräften oder den vierbeinigen Produzenten – den Tieren. Deswegen ist es umso wichtiger, dass die Modeindustrie sich an dieser Stelle weiterentwickelt. Zahlreiche Labels haben das bereits und zeigen: Nachhaltige Mode ist mehr als ein braungrünes Bio-Baumwoll-Shirt und eine labberige Tuch Hose. Eco Fashion ist en vogue und sieht auch immer mehr danach aus. Andersherum sind die Kunden auch bereit, dafür mehr zu zahlen. 44 Prozent der Frauen wären bereit, für nachhaltig produzierte Mode etwas mehr auszugeben, diese Bereitschaft steigt außerdem noch mit dem Alter. Das wiederum bedeutet, dass die Labels, die sich tatsächlich durch besondere Nachhaltigkeit von anderen abgrenzen, auch klar kommunizieren sollten, was ihre Fortschritte sind. Da jedoch ist noch einiges zu tun – denn sowohl der Verdacht des Greenwashings als auch die Fehlersuche der Presse steht hier noch im Wege. Das merkt vor allem das Luxussegment.

Nachhaltigkeit in der französischen Mode – eine Frage des Luxus?

Das modeaffine Frankreich kann neben einer gut gekleideten Damenwelt vor allem mit vielen Luxusmarken auftrumpfen. Mit dazu gehört beispielsweise das Unternehmen Kering, das Luxusmarken wie Gucci, Yves Saint Laurent, Boucheron, Bottega Veneta, Stella McCartney und Alexander McQueen unter einem Dach vereint. Die Unternehmensgruppe setzte sich selbst schon früh soziale und ökologische Nachhaltigkeitsstandards, die es mit einem eigenen Expertenrat ehrgeizig verfolgt. Das bedeutet, dass die Produktionsbedingungen und die Ressourcenbeschaffung und –nutzung im hochpreisigen Segment durchaus als nachhaltig zu bewerten sind.

Allerdings tritt Nachhaltigkeit damit in eine Nische – das Luxussegment kommt nur für die wenigen Käufer in Frage, für die die teure Ware auf der Champs-Élysées erschwinglich ist. Umweltbewusstsein selbst wird damit zum Luxus erklärt, den sich nur wenige leisten können. Das ist ein Grund, warum diese Luxusmarken nur wenig über ihre Nachhaltigkeitsanstrengungen kommunizieren. Sie schrecken zusätzlich davor zurück, dass das Engagement als Greenwashing verteufelt würde und die eigentlich positiven Standards so niedergemacht würden – ein Problem des Luxussektors, vor allem in der Mode, die nach der Ölindustrie als schmutzigste Industrie der Welt gilt. Nachhaltige Mode auch an die breite Masse zu bringen, muss deshalb das Ziel sein.

Tatsächlich haben auch andere den Trend schon erkannt und sich selbst der nachhaltigen Mode verschrieben. In Frankreich gehört zum Beispiel Ekyog mit dazu, die mit mittlerweile 34 Niederlassungen auf eine Erfolgsgeschichte schauen können. Mit „Ethical Fashion“ oder „Positive Fashion“ benennen die Labels ihr Engagement ganz kurz und knapp und zeigen damit, dass die Träger sich damit einfach gut fühlen dürfen, statt beim Blick auf die Robe an den ökologischen Fußabdruck oder gar zerstochene Kinderhände denken zu müssen. Auch für den tollen Vintage Markt ist Frankreich bekannt. Alte Kleidungsstücke werden aus ganz Europa importiert und in den vielen Vintage Läden zum Verkauf angeboten. Secondhand-Shopping – auch das ist nachhaltiger Umgang mit Mode, den Interessierte in Frankreich finden können.

Die Vorbildfunktion: Jeder kann etwas tun

Auch aus prominenter Richtung bekommt die Eco Fashion Branche Aufwind. Die Promotion Tour für den in Frankreich spielenden Film „Die Schöne und das Biest“ verlegte sich Hauptdarstellerin Emma Watson auf eine rein ethisch und ökologisch einwandfrei produzierte Garderobe und berichtete auf The Press Tour davon. Sie nutzt damit ihre Vorbildfunktion für die junge Generation, um für die wichtige Sache der Nachhaltigkeit in der Modeindustrie zu werben und auch kleinere ökologische Labels zu unterstützen.

Allerdings soll der fade Beigeschmack der „Unerschwinglichkeit“ dabei nicht bleiben. Denn tatsächlich kann jeder im täglichen Leben, aber auch auf Reisen etwas für mehr Nachhaltigkeit tun. Einen Weg bietet die Kleidung, die nun mal jeder im täglichen Leben braucht. Sich hier nach und nach auf nachhaltig produzierte Stücke oder Secondhand Ware zu verlegen, stellt keine allzu große Belastung für den Geldbeutel dar, darüber hinaus tut gerade bei der Kleiderwahl ein gesunder Minimalismus gut. Das heißt: Weniger haben, öfter tragen, gebraucht kaufen und auch die eigenen Sachen nicht entsorgen, wenn sie nicht mehr getragen werden. Stattdessen können sie noch an anderer Stelle Verwendung finden, vielleicht verkauft werden oder alternativ einem guten Zweck zu Gute kommen.

Ein anderer Weg findet sich im täglichen Leben und Verhalten. „Reduce, Reuse, Repair, Recycle“ sind die vier P’s der Nachhaltigkeit, die in dieser Reihenfolge ausgeführt zu weniger Umweltbelastung führen. Wer seinen eigenen Konsum einschränkt verringert nämlich nicht nur die Ausgaben für diese Waren, sondern auch den eigenen Müll. Im Supermarkt mal auf die dünnen Plastiktüten zur Umverpackung des Obstes verzichten, mit Jutebeutel zum Shopping aufbrechen und lieber zu großen Vorratspackungen greifen, statt jede Woche nachzukaufen. Oder gleich einfach mal „en vrac“ kaufen. Die Zero Waste Bewegung ist in Frankreich schon weit fortgeschritten und auch in regulären Bio-Supermärkten können Kunden schon lange ihre eigenen Behältnisse zur Befüllung mitbringen, statt alles in aufwendigen Umverpackungen mit nach Hause zu nehmen. Das kommt auch den vielen Single-Haushalten entgegen, die keinen allzu großen Bedarf mehr zu decken haben. Auch in Deutschland können Konsumenten die Unverpackt Läden nutzen, die in immer mehr Städten entstehen und so selbst zu einem nachhaltigeren Lebensstil finden.

Tourismus und Nachhaltigkeit – Unvereinbar?

Immer wieder in der Diskussion ist auch der Tourismus. Reisen rund um den Globus, möglichst viele Meilen im Flieger hinter sich bringen und in kurzer Zeit möglichst viel sehen im bereisten Land – das geht nicht, ohne der Umwelt zur Last zu fallen. Es ist allerdings ein zweischneidiges Schwert. Denn gerade beliebte Fernreiseziele wie Thailand, Neuseeland oder jetzt auch Myanmar, Laos und Vietnam könnten ihr hohes Maß an Umweltschutz nicht aufrecht erhalten, wenn der Tourismus nicht wäre. Menschen, die den Dschungel sehen wollen und dafür Geld bezahlen, sind eine alternative Geldquelle zu all jenen, die die Wälder aufgrund der seltenen Hölzer abholzen und zu unerschwinglichen Luxus-Möbeln verarbeiten wollen. Das gilt es zu unterstützen und aufrecht zu erhalten.

Auf der anderen Seite stehen der Transport der Reisenden und die Folge des wachsenden Tourismus in vielen Ländern in Kontrast zum Umweltschutz. Die hohen Emissionen, die bei einem Langstreckenflug ausgestoßen werden und der Ausbau touristischer Strukturen vor Ort durch global agierende Unternehmen sind weder für die Natur noch für die Bevölkerung vor Ort wirklich förderlich. Und auch Naturschutzgebiete können am besten florieren, wenn keine Touristenhorden durchgeschleust werden. Darauf zu verzichten ist jedoch auch keine Lösung: Denn für die Länder und die Bevölkerung vor Ort ist der Tourismus eine wichtige Einnahmequelle, in vielen Fällen die einzige Existenzgrundlage. Deswegen ist es nicht die grundsätzliche Frage „Sollte ich reisen?“, die zu stellen ist, sondern vielmehr eine Frage des „Wie sollte ich reisen?“.

Ein Faktor entsteht aus Strecke und dort verbrachter Zeit. Ebenfalls ist es eine Frage der Unterkunft, die übrigens nicht nur in fernen Ländern zutrifft. Auch in Frankreich gibt es Domizile, die sich konkret der Nachhaltigkeit verschrieben haben, wie die Ökologische Jugendherberge in Paris. Ebenso ist es nachhaltiger, bei den Bewohnern vor Ort unterzukommen und ein Apartment oder ein Zimmer bei örtlich Ansässigen zu nehmen statt in großen Bettenburgen zu nächtigen. Dazu kommt auch der nahe Kontakt mit den Einheimischen, die die Reise so zu einem besonderen Erlebnis macht und dem Urlaub eine weitere Dimension hinzufügt.

Wenn so jeder an seinen ökologischen Fußabdruck denkt und hier und da versucht, diesen möglichst klein zu halten, nachhaltig produzierte Mode kauft, Secondhand shoppen geht, mal auf Plastik verzichtet, den eigen Müllberg verkleinert, eher auf langsames Reisen als auf Jetset setzt und sich damit auseinandersetzt, was er zu diesem Zeitpunkt konkret für die Umwelt tun kann, ist bereits viel geschafft. Das gute Gewissen macht das Leben gleich viel schöner – und wir sind uns sicher, dass auch ökologisch und ethisch unbedenkliche Reisen wirklich Freude machen.