Reisen 2.0 : Tourismus und Umweltschutz


Teil 2 unseres Berichts über die authentischen Seiten Frankreichs

Nachdem wir euch letzte Woche die Kleinstadt Villefranche de Rouergue im Süden Frankreichs genauer vorgestellt haben, geht es diese Woche auf eine spannende Reise direkt ans Meer, in ein Naturschutzgebiet Natura 2000. Willkommen auf der Halbinsel Quiberon in der Bretagne, die nicht nur durch ihre schönen Strände die Touristen anlockt, sondern auch durch eine erstaunliche Artenvielfalt beeindruckt.
Im Heideland, in den Wiesen, Dünen und Felsen der Halbinsel, die weit in den Atlantik hineinragt, fühlen sich Pflanzen und Tiere in allen Farben und Formen zu Hause. Insgesamt gibt es hier fast 80 geschützte Arten und mehr als 800 eingetragene Pflanzenarten .
Der Strenge des Klimas am Atlantik ausgesetzt, leben hier robuste Vögel wie die Sturm- und Mantelmöwen und der Stelzenläufer, die etwas vor der Halbinsel, auf kleinen Steininseln außer Reichweite der Menschen die absolute Ruhe und Abgeschiedenheit genießen. Um sie zu beobachten, solltet ihr viel Geduld und am besten ein Fernglas mitbringen. In unserem Bericht über die Bretagne könnt ihr noch mehr über die Landschaft und die Umwelt erfahren.

Diese besondere Schönheit und Vielfalt der Region zog schon immer viele Touristen und Wanderer an und wurde so zum Opfer ihres eigenen Erfolgs. Die Landschaft hat besonders im 20. Jahrhundert sehr unter dem Touristenstrom gelitten. Doch gegen Ende des 20. Jahrhundert wurden endlich Maßnahmen ergriffen, damit dieses Geschenk der Natur an die Nachwelt weiter gegeben werden kann. Denn nur eine neue, nachhaltige Form des Tourismus kann diese Schönheit erhalten.

Das Convervatoire du Littoral (Konservatorium für Küstengebiete), das sich in Frankreich für den Schutz und den Erhalt der Küstenregionen einsetzt, hat seit 1991 auf der Halbinsel besondere Schutzmaßnahmen auf rund 200 Hektar ergriffen. Ein Restaurationsprogramm wurde durch das Syndicat Mixte, einer Aktionsgruppe, der Küstenregion zwischen Gâvres und Quiberon eingeführt und in 2007 beendet. Seit 2004 ist die Küste der Halbinsel ein Natura 2000 Schutzgebiet. Feste Wander- und Radrouten wurden festgelegt, damit die Besichtigung der Halbinsel und ein respektvoller Umgang mit der Umwelt vereint werden. Wie viele Gegenden in der Bretagne, unterliegt auch Quiberon dem Loi Littoral, dem Küstenschutzgesetz. In Folge dessen wurden alle Campingplätze in weniger empfindliche Gebiete umgesiedelt und strikte Bauregulierungen begrenzen oder verbieten den Bau im Küstengebiet. Große Teile der Dünen, Wiesen und Heideländer werden mit kleinen Holzzäunen vor unerwünschten Besuchern geschützt. Das architektonische Erbe ist Gegenstand eines aufwendigen Restaurierungsprogramms.

Das Syndicat Mixte arbeitet seit Jahren am Erhalt der ökologischen Vielfalt und an dessen Vereinbarkeit mit den wirtschaftlichen Aktivitäten, die sehr durch den Tourismus und natürlich auch durch die Fischerei geprägt sind. Der Schutz der Umwelt und des Kulturerbes ist genauso wichtig wie eine nachhaltige Entwicklung der Kommunen und der Respekt der Kultur und der Einwohner.
Ein nachhaltiger Tourismus und respektvolle und interessierte Besucher können all dies vereinen.
Die Halbinsel ist mit einem Netz von Wanderwegen überzogen, das sich über 40 Kilometer erstreckt und von denen mehr als die Hälfte an der “Côte sauvage”, die “wilde Küste”, aber auch an Stränden mit feinem Sand und Fischerhäfen vorbeiläuft.
Auf der Landseite könnt ihr kleinen Pfaden folgen, die von Dorf zu Dorf, an Brunnen und Mühlen vorbei, über die Heide führen. Vom Turm von Locmaria im Zentrum der Halbinsel haben Sie einen wundervollen Blick.
Bei geführten Radtouren, natürlich nur über dafür vorgesehene Radwanderwege, erfahrt ihr alles über die Geschichte des Ortes und der Umgebung. Einen Ausflug wert ist auf jeden Fall auch die autofreie Insel Houat, die vor der Küste von Quiberon liegt. In unserem Blog haben wir bereits über diese Insel berichtet. Ebenfalls nicht weit von Quiberon liegt die Belle-Ile-en-Mer, die Ihren Namen „die schöne Insel“ wahrlich verdient hat.

Eine solche Schönheit und Artenvielfalt will sich natürlich niemand entgehen lassen, dennoch stellen wir uns als Naturliebhaber die Frage, ob wir überhaupt noch in dieses Gebiet reisen dürfen. Denn alles, was einmal verloren ist, kann die Natur sich nur mühsam oder gar nicht zurückholen. Wenn man sich aber an einige einfache Regeln hält, sind Tourismus und Naturschutz auf jeden Fall vereinbar. Hierzu benötigt es allerdings nicht nur den Einsatz der Einheimischen, sondern auch den der Besucher. Wandert am besten in kleinen Gruppen, um diese einzigartige Landschaft zu respektieren und dieses prachtvolle Stück Erde genauso der nächsten Generation zu hinterlassen. Für eure Unterkunft solltet Ihr am besten kleine, familiäre Strukturen wählen, die sich ebenfalls dem Umweltschutz verschrieben haben. Das ist auch die beste Gelegenheit um von den Gastgebern ein paar wahre Geheimtipps zu erfahren.

http://www.conservatoire-du-littoral.fr/siteLittoral/220/28-cote-sauvage-56_morbihan.htm
http://ville-quiberon.fr/
http://de.quiberon.com/de-quiberon/kurzaufenthalte-und-ausfluege-1
http://www.site-gavres-quiberon.fr/