Entschleunigung der Esskultur

Während die Slow Food-Bewegung in Deutschland seit seiner Gründung einen beachtlichen Aufwärtstrend erlebt, beschränkt sich das „Langsam Essen“ in Frankreich immer noch auf einen sehr kleinen, dafür umso engagierteren Kreis von Anhängern. Die Zahlen sprechen für sich: Slow Food Deutschland e.V. zählt ungefähr 13.500 Mitglieder, während sein französisches Pendant aus rund 700 Mitgliedern besteht. Warum findet die Slow Food – Bewegung, die für „gutes Essen, kulinarischen Genuss und ein moderates Lebenstempo“ steht, in Frankreich so wenig Zulauf? Ein Lagebericht über die Situation von Slow Food in Frankreich.

Weltweit haben sich der Slow Food Bewegung über 100.000 Mitglieder angeschlossen, sie bleibt somit ein Randphänomen und ist wenig bekannt. In Frankreich hat die Zahl der Mitglieder des Slow Food Vereins, der in 30 Convivien (lokale Gruppen) aufgeteilt ist, die 1000er Marke noch nicht erreicht. Richtig Fuß gefasst hat Slow Food in Frankreich seit der Gründung 1989 also nicht.
Warum dem so ist, erklären mehrere Eigenarten unseres Nachbarlands: Frankreich ist trotz seiner regionalen Besonderheiten ein politisch sehr zentralisiertes Land und auch der Charakter der Franzosen, stolz und patriotisch, könnte eine Rolle dabei spielen. Denn wieso sollte eine Bewegung, die im Ausland entstanden ist und dazu noch einen englischen Namen trägt dem Franzosen lehren, was gutes Essen ist? Dazu muss auch gesagt werden, dass Slow Food Frankreich lange Zeit von einer Gruppe von bons vivants geleitet wurde, die sich damit zufrieden gaben gastronomische Dinner zusammenzustellen. Sie haben sich auf die Kulinarik konzentriert, dabei jedoch die anderen Werte, für welche die Bewegung steht, vernachlässigt. Doch mit der neuen Generation kommt frischer Wind in den Verein und Slow Food nimmt weiter Form an.
Franzosen sprechen von Gastronomie auf der einen und von komplexen Herstellungsprozessen auf der anderen Seite, ohne wirklich die Verbindung zwischen beiden herzustellen. Doch entwickelt sich bei Gastronomen und Produzenten in Frankreich immer mehr ein Bewusstsein dafür, dass Gastronomie in enger Wechselwirkung mit der Umwelt, der Wirtschaft und der Gesellschaft steht. Diese Produzenten und Gastronomen könnten, ob mit oder ohne Slow Food, dafür sorgen, dass eingefahrene Strukturen revolutioniert werden.
Slow Food hat wohl Aspekte, die den Franzosen gefallen könnten, denn sie schätzen die gute Küche und sehen diese art de vivre als Statement gegen die Standardisierung und Banalisierung von Nahrungsmitteln. Diese Einstellung wird aufgrund des ökologischen Aspekts auch als Ökogastronomie bezeichnet. Eine Aufgabe von Slow Food ist es, alle Tierrassen, Pflanzenarten und Spezialitäten, die dabei sind von unseren Tellern zu verschwinden in der Arche des Geschmacks, dem internationalen Katalog von Slowfood zum Schutz bedrohter Lebensmittel, zu registrieren. Somit trägt Slow Food auch zum Erhalt der Biodiversität bei.
Hier eine Zusammenfassung über die wichtigsten Prinzipien dieser nachhaltigen Bewegung:

Slow Food für Biodiversität
Angesichts der Industrialisierung und der vielen Fertiggerichte, setzt sich Slow Food dafür ein, dass unser kulinarisches Welterbe fortbesteht, indem Produkte von kleinen Herstellern aus der Region bezogen werden.

Slow Food für guten Geschmack
Nach den Slow Food Prinzipien müssen wir alle den authentischen und wahren Geschmack von qualitativen Lebensmitteln wiedererlernen. Man muss die Lust wiederentdecken, Geschmäcker verschiedener Lebensmittel zu entdecken und dabei ihre Herkunft sowie Herstellung verstehen. Bei Slow Food lässt man sich Zeit, das Essen mit all seinen verschiedenen Facetten zu genießen.

Slow Food für den direkten Kontakt mit den Produzenten
Slow Food will angesichts der Ausbreitung der multinationalen Firmen eine regionale Ernährung unterstützen, indem man sich Zeit nimmt, die lokalen Hersteller und ihr Wissen kennenzulernen. Um dies zu erleichtern werden zahlreiche Bauernmärkte und Messen organisiert, um den Konsum regionaler Produkte und somit die Schonung des Ökosystems zu fördern.

Ein Beispiel für eine gelungene Initiative aus jüngster Zeit bieten folgende Beispiele:
Die Slow Food Bewegung bahnt sich einen Weg nach Korsika „Slow Food Corsica A Granitula“
Eine regionale Slow Food Gruppe von rund 20 Personen, die eine „neuartige Gastronomie“ pro Umwelt und pro Gesundheit vertritt, wurde im März 2016 gegründet. Die Gruppe hat es sich zum Ziel gesetzt, in Vergessenheit geratenen Nahrungsmitteln und Rezepten wieder mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Nicht zu vernachlässigen sind dabei natürlich auch die für Korsika regionaltypischen Produkte wie die Moita-Zwiebel, der Wein Rappu und die Corsica Vaccghja, eine korsische Rinderrasse.
Desweiteren unterstützt die Slow Food Bewegung die Erhaltung von Landwirtschaftsflächen, indem sie eng mit anderen Umweltschutzvereinen zusammenarbeitet.

Vielen Dank an Marella Redaelli, Verantwortliche und Ansprechpartner für Slow Food Frankreich innerhalb von Slow Food International, deren Informationen sehr hilfreich waren um diesen Artikel zu schreiben!

Vergesst nicht bei einem unserer Bio-Unterkünfte Partner mit Slow Food vorbeizuschauen, oder besser noch, Eure Ferien bei ihnen zu verbringen! Im Gers in den Midi-Pyrenäen bietet Euch das Hôtel Restaurant Le Relais du Bastidou eine hervorragende Küche im Slow Food Restaurant und in der Auvergne verwöhnen Euch die beiden Schwestern Sophie und Béatrice und Sie kommen in gemütlichen Holzhütten unter!