Umweltfreundlicher Strohballenbau – immer beliebter in Frankreich

Vorzüge von Strohhäusern
Strohballen dämmen ausgezeichnet Wärme und Schall, sind unschlagbar günstig, sorgen in Verbindung mit Kalk- oder Lehmputz für ein angenehmes Raumklima und haben aus drei Gründen die beste CO2-Bilanz aller Baustoffe: Sie sind nachwachsend,(fast überall) lokal verfügbar und benötigen zu ihrer Herstellung einen minimalen Primärenergieeinsatz. Es bestehen mehrere Arten der Strohbauweise: tragende Strohballen, Stroh als Isoliermaterial oder Außenisolierung bei Holzgerippen-Häusern. Im Gegensatz zur verbreiteten Meinung sind Strohballen-Häuser ausgesprochen solide und dauerhaft. Das gepresste Stroh ist weniger entflammbar und ein ausgezeichnetes Isoliermaterial. Allerdings muss es, wie jedes pflanzliche Material, vor Wasser und starker Dampfeinwirkung geschützt werden.

Mehr als die herkömmlichen, industriell hergestellten Baumaterialien fördert der Strohballenbau die Verwendung eines natürlichen und umweltfreundlichen Rohstoffes mit zahlreichen Vorzügen auch in volkswirtschaftlicher Hinsicht:

  • hoher Isolationswert für ganzjährig angenehme Raumtemperaturen
  • nachhaltiges und preiswertes Baumaterial
  • sehr gute Lärmdämmung
  • gesunde Raumluft
  • günstige Werte auf dem Gebiet der “grauen Energie”, da Stroh kaum Transformationen erfordert, geringe Transportkosten hat und im letzten Stadium kompostierbar ist
  • CO² Speicherung (aufgrund der Herkunft aus der Landwirtschaft)
  • Förderung von Arbeitsplätzen
  • Entwicklung der lokalen Wirtschaft
  • handwerkliches Können
  • 100% Naturprodukt, erneuerbar, Recycling geeignet, neutrale CO²-Bilanz im letzten Stadium

Strohbauweise in Frankreich immer beliebter
Bauen mit Stroh findet mittlerweile großen Zuspruch bei vielen französischen Bauherren. Im landwirtschaftlich geprägten Frankreich ist dieser Rohstoffe reichlich verfügbar um das Bauwesen grundlegend umweltfreundlich und nachhaltig zu verändern. Es wird vorwiegend Weizenstroh verwendet, das am meisten in Frankreich angebaute Getreide. Es ist damit ein lokal verfügbarer Rohstoff, denn die Hälfte des Baumaterials stammt aus einem Umkreis von 50 km.

Nach Schätzungen wurden in Frankreich rund 4 000 Gebäude mit Strohballen errichtet. Die französische Branche im Bereich Strohhäuser gilt als die dynamischste in Europa und hat zahlreiche Anhänger gefunden. Gerade Frauen sind stark vertreten, wesentlich mehr als in den traditionellen Berufen des Bausektors. Auch bei öffentlichen Gebäuden wird diese umweltfreundliche Bauweise mehr und mehr bevorzugt. Besonders in den Regionen Bretagne, Rhône-Alpes, Centre und Midi-Pyrenäen wurden zahlreiche Häuser in Eigenbau errichtet. Da der Strohballenbau mittlerweile gesetzlichen Vorschriften und Garantieregelungen unterliegt, die zu einer Anerkennung durch die Versicherungen führten, geht der Eigenbau mit Stroh zugunsten von professionellen Unternehmen zurück.

Dem 2006 gegründeten, französischen Verband für Strohbauweisen (RFCP) gehören heute 550 Privatmitglieder, 250 Fachleute und 50 Vereine/Ausbildungszentren an. Ziel ist es, die Verwendung von Stroh als Baumaterial bekannter zu machen, die Bauweisen zu verbreiten und die Leistungen hervorzuheben. (In Deutschland ist es der Fachverband für Strohballenbau e.V – www.fasba.de). Bereits 1921 erbaute der Ingenieur Emile Feuillette in Montagis (Dept. Loiret) ein Strohballen-Haus, das noch immer bewohnt wird. 2013 wurde es vom französischen Verband für Strohbauweisen erworben. Hier entsteht ein nun das Landeszentrum für Strohballenbau.

Quellen für diesen Artikel:
Daten des französischen Verbandes für Strohbauweisen (RFCP). Wir bedanken uns besonders bei Eddy Fruchard, Vorstandsmitglied und Spezialist für technische Fragen und Fachmann für Strohballenbau.

Mehr darüber:
Sitz des “Centre National de la Construction Paille” in Montargis

Sitz des französischen Verbandes für Strohbauweisen in Toulouse

Literatur:
“Techniques de construction en paille”, Autor Eddy FRUCHARD und Virginie PIAUD Edition Eyrolles (2015- ISBN: 978-2-212-13809-2)
“Neues Bauen mit Stroh in Europa”, Autoren Herbert und Astrid Gruber, Helmuth Santler, Verlag Ökobuch (ISBN-13: 978-3936896688) ( Gute Idee)