Kunst im Kühlhaus

Am 28. und 29. Mai 2016 öffnet das Künstlerhaus Les Frigos in Paris seine Türen und gibt Einblicke in die verschiedenen Ateliers und das Schaffen von rund 200 Künstlern. Nur einmal im Jahr findet dieser Tag der offenen Tür in dem alten Industriegebäude statt, aus dem seit 1991 ein Ort der Musik, Farben und Kreativität geworden ist.

Bis Les Frigos zu diesem einzigartigen Arbeits- und Lebensmittelpunkt zahlreicher Künstler geworden sind, war es ein langer Weg. Ursprünglich gehörte der Gebäudekomplex ohne Fenster, der aus Kühlräumen bestand – daher auch der Name Les Frigos – der französischen Eisenbahngesellschaft. Die dicken isolierenden Wände, die breiten Gänge und die Laderampe des Kühlgebäudes eignen sich perfekt um hier Künstlerateliers entstehen zu lassen, die in teuren Großstädten selten geworden sind. Alles in allem war es ein glücklicher Zufall, dass die SNCF das fensterlose Gebäude nicht mehr benötigte und wahllos an Interessenten vermietete. So mieteten die anfangs rund 120 Künstler aus verschiedensten Bereichen das Gebäude, schlugen Fenster in die Wände, verlegten Stromleitungen, installierten Sanitäranlagen und ließen somit 87 Ateliers entstehen. Ein unvorstellbarer Aufwand, aus dem das erste Künstlerhaus Europas mit einer solchen Vielfalt an Berufen entstanden ist. Vom Architekten über den Bildhauer, Musiker und Komponisten bis hin zum Maler zählt das Gebäude insgesamt 14 verschiedene Künstlerarten, die über 5 Etagen verteilt arbeiten. Mittlerweile ist die Stadt Paris Eigentümer der Stadt geworden, und das Künstlerhaus wird von dem eingetragenen Verein Les Frigos APLD91 getragen. Er trug maßgeblich dazu bei, dass Les Frigos den Umstrukturierungsplänen der Stadt für das 13. Arrondissement standhielt. In Berlin haben sich Unternehmer von diesem Abenteuer inspirieren lassen und ein solches Kühlhaus nach Pariser Vorbild umgebaut.

Ziel der APLD 91 war es seit den Anfängen, sich für den Erhalt des ehemaligen Industriegebäudes zu engagieren und sich für moderate Mieten einzusetzen, die in Paris immer seltener werden. Denn für Menschen mit geringerem Einkommen, darunter auch Künstler, ist es schwierig geworden dieser Uniformierung der inneren Stadtviertel standzuhalten. In Zusammenarbeit mit anderen Vereinen setzt sich APLD91 aktiv für ein lebendiges Viertel im 13. Arrondissement am rive gauche ein.

Am Tag der offenen Tür am 28. und 29. Mai kann man in diese engagierte und kreative Szene reinschnuppern, sich informieren, Künstler treffen, ihre Ateliers aus nächster Nähe betrachten und das außergewöhnliche Ambiente mit Musik, Theater und viel Kunst genießen.

Samstag 28 Mai von 14 bis 22 Uhr und Sonntag, 29. Mai von 14 bis 20 Uhr
19 rue des Frigos
75013 Paris
Métro: Bibliothèque François Mitterrand

Weitere Infos unter:
www.les-frigos-apld91.com
www.les-frigos.com
www.parisinfo.com

Christiane Hawlik