Urban Beekeeping: Den Bienen zuliebe

“Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben. Keine Bienen mehr, keine Bestäubung mehr, keine Pflanzen mehr, keine Tiere mehr, kein Mensch mehr.” Das soll Einstein bereits gesagt haben und heute ist diese Warnung aktueller und akuter denn je. Honigbienen und Wildbienenpopulationen schrumpfen bedenklich. Warum es den Bienen an den Kragen geht und wie Urban Beekeeping in Frankreich aussieht erfahrt Ihr hier.

Laut dem Office National des Forêts ist Frankreich Heimat von 865 verschiedenen Wildbienenarten. Zum Vergleich: Die deutsche Wildbienenbevölkerung besteht aus 561 verschiedenen Arten, wovon rund die Hälfte auf der roten Liste steht, also akut vom Aussterben bedroht oder gefährdet ist.

Nicht nur die Wildbienen sind bedroht, auch den Honigbienen geht es an den Kragen. Seit einigen Jahren geht die Zahl der Bienen massiv zurück und in manchen Gebieten bekommt man gar keine Bienen mehr zu Gesicht. Dieses Phänomen wird als Colony Collapse Disorder bezeichnet und gibt Grund zur Beunruhigung. Jedes Jahr verschwinden rund 30% der Bienenstöcke und zahlreiche Imker geben ihre Aktivität auf. Einige Faktoren, die an dieser traurigen Bilanz Schuld tragen, sind bestätigt, wie die Varroa Milbe oder Insektizide, und allen voran die Neonicotinoide, die zum direkten Tod oder zur Orientierungslosigkeit führen. Die Intensivlandwirtschaft leistet also einen erheblichen Beitrag zu dieser traurigen Situation. Durch Monokulturen finden Bienen nicht nur zu wenig Nahrung außerhalb der Blütezeiten bestimmter Pflanzen sondern sind durch die einseitige Ernährung auch mangelernährt, haben ein geschwächtes Immunsystem oder finden nicht genug Nahrung. Durch den Einsatz von Herbiziden gibt es weniger Wildpflanzen um die Felder herum. Welchen Einfluss demnach Totalherbizide (wie etwa Glyphosat) auf unsere Bienen haben, ist offensichtlich.

Wie wichtig Bienen für unseren Planeten sind, wird darin deutlich, dass ein Drittel der globalen Nahrungsmittelproduktion von deren Bestäubung abhängt. Um die Ernährung einer ohnehin wachsenden Weltbevölkerung sicher zu stellen brauchen wir die Bienen, denn eine Bestäubung von Hand, wie es bereits in Teilen Chinas der Fall ist, ist zeit- und kostenintensiv. Ganz zu schweigen von allen Wildpflanzen, deren Biodiversität ohne Bienen und andere Bestäuber rasant abnehmen würde.
Aufgrund der angesprochenen Gefahren der Monokulturen, Herbizide und Insektizide in ländlichen Gegenden, fühlen sich Bienen in der Stadt wohl. Dort finden Bienen und andere Bestäuber ganzjährig und vielfältigere Nahrung und es gibt kaum Pestizide. In Marseille beispielsweise kümmert sich der Imker Gérard Jourdan um mehrere Bienenstöcke. Einige davon stehen mit Blick auf den Vieux Port auf dem Dach des Hotels Sofitel, dort gibt es für die Gäste dann den Honig vom eigenen Dach zum Frühstück. Abhängig von den verschiedenen Pflanzen, die blühen, verändert sich der Marseiller Stadthonig im Laufe eines Jahres im Geschmack: im Frühjahr ist er eher mild, und gegen Herbst wird er intensiver. Ein weiterer Vorteil der Bienenstöcke in der Stadt besteht darin, dass sie nicht umziehen müssen, da während der ganzen Saison genug Nahrung im Umfeld zur Verfügung steht. So wird zusätzlicher Transportstress vermieden. Und natürlich fühlen sich die Honigbienen in Marseille aufgrund der angenehmen Temperaturen sehr wohl und die Honigproduktion beginnt schon sehr früh im Jahr.

Nicht nur im Süden, auch in der Hauptstadt fühlen sich Bienen wohl. In Paris gibt es inzwischen 700 Bienenstöcke. Egal ob auf dem Dach der Oper, in den Parks oder in Gemeinschaftsgärten, in Paris wird fleißig gesummt. Damit es den Bienen dort auch weiterhin gut geht, gibt es in der Stadt verschiedene Initiativen, darunter ruches et pollinisateurs. Die Initiative soll zur weiteren positiven Entwicklung beitragen, mit einem Augenmerk auf alle Bestäuber wie Schmetterlinge und Wildbienen. Wichtig ist dabei die Zusammenarbeit aller Beteiligten: die Stadt, Vereine und Gemeinschaftsgärten, Hauseigentümer, Wissenschaftler und die Präfektur. Eine Imkerkommission wird die Umsetzung überprüfen und die Ergebnisse überwachen. Diverse Aktionen sollen bis 2020 zu konkreten Ergebnissen führen: Lebensräume werden geschaffen, weitere Bienenstöcke werden aufgestellt, der Verkauf und die Produktion von Pariser Honig soll vereinfacht werden und die Sensibilisierung und Information der Bevölkerung wird gefördert. Pflanzen mit nektarreichen Blüten werden gepflanzt, Parks bleiben von Pestiziden verschont und auch Nistplätze für Wildbienen und andere Bestäuber werden geschaffen.

Nistplätze und Nahrung für die bedrohten Wildbienen kann übrigens auch jeder in seinem eigenen Garten oder auf dem Balkon zur Verfügung stellen. Zu beachten ist, dass manche Wildbienen nur bestimmte Pflanzen mögen. Zudem sind manche Blumen absolut nutzlos weil sie trotz einer schönen bunten Blüte keinen oder nicht genug Nektar haben, darunter fallen auch Stiefmütterchen oder Rosen. Hier gibt es eine ganze Reihe an Pflanzen, die sich gut für Wildbienen eignen. Und ein Insektenhotel schaut zudem auch noch sehr dekorativ aus im Garten! Manche Wildbienenarten nisten auch in sandigen Böden. Wer nicht ganz so viel Platz zur Verfügung hat, der kann auch in einige (unbehandelte) Holzscheite Löcher bohren und diese an einem trockenen, geschützten Ort anbringen. Und damit die Honigbienen nicht zu kurz kommen: Unterstützt die lokalen Imker und kauft Honig aus der Region!

Vor einiger Zeit hatten wir übrigens bereits über die bretonische Biene berichtet, hier erfahrt Ihr, warum die sanfte Wildbiene ein Hoffnungsschimmer im Kampf gegen das Bienensterben darstellt!

Christiane Hawlik

www.paris.fr/actualites/paris-se-mobilise-pour-les-abeilles
www.bienenschutz.org
www.untoitpourlesabeilles.fr
www.planet-wissen.de/natur/insekten_und_spiennentiere/bienen