Das Ausmaß der Verschmutzung weltweit

Die Weltmeere sind verschmutzt. Chemieabfälle, radioaktiver Müll, Atomwaffentests, Öl und Plastik. Jede Menge Plastik. 300 Millionen Tonnen werden davon weltweit und jährlich produziert, aber nicht einmal 20 % davon recycelt. Mindestens 30 % verlassen den Prozess von Produktion und Konsumption unkontrolliert. Für 2010 wurde geschätzt, dass 8 Millionen Tonnen Plastikmüll in den Weltmeeren gelandet sind.1

Der Müll erreicht das Meer hauptsächlich über die Flüsse, aber auch über die Luft, die Schifffahrt und den Fischfang. In nahezu abgeschlossenen Randmeeren wie dem Mittelmeer, bereitet die zunehmende Verschmutzung einige besondere Probleme, weil nur ein beschränkter Wasseraustausch mit dem offenen Meer stattfindet.2 Außerdem ist das Mittelmeer durch eine große Fläche industrialisierter Küste besonders durch die Verschmutzung durch Plastik gefährdet. Wie die Meere, speziell das Mittelmeer, durch Plastik verschmutzt werden und welche Folgen das für Mensch und Natur mit sich bringt, soll im Folgenden näher beleuchtet werden.

Wie das Plastik ins Mittelmeer gelangt

Das Plastik gelangt in allen Arten und Größen ins Meer. Große Plastikteile stellen eine direkte Gefahr für Tiere wie Vögel, Schildkröten, Wale und Fische dar, weil sie sich darin verwickeln und dann qualvoll daran verenden können.

Ein besonderes Problem stellt das sogenannte Mikroplastik dar. Mikroplastik sind feste und unlösliche Kunststoffteilchen die kleiner als ein Millimeter sind, bis hin zu Größen im Mikrometer-Bereich. Es wird in Zahnpasta, Hautcremes, Peelings, Duschgels und Shampoos verarbeitet und gelangt unkontrolliert über unser Abwasser in die Umwelt. Flüsse transportieren es ins Meer, wo es auf Mikroplastik trifft, dass dort durch die Zersetzung größeren Plastikmülls entsteht.

Was das Plastik im Mittelmeer anrichtet

Für das Mittelmeer wird geschätzt, dass auf zwei Plankton-Organismen ein Mikroplastik-Partikel kommt, bzw. 300.000 Partikel pro Quadratkilometer. Diese Partikel gelangen über kleinste Organismen, wie das Zooplankton, dass von Fischen gefressen wird, in unsere Nahrungskette. Plankton ist schon seit den 60er-Jahren mit Mikroplastik kontaminiert und vergleichende Studien haben belegt, dass der Gehalt von Mikroplastik im Plankton dramatisch ansteigt.3

Das Mikroplastik selbst kann krebserregende, giftige oder hormonaktive Bestandteile haben. Zudem lagern sich auf seiner Oberfläche Umweltgifte wie Kohlenwasserstoffe, DDT oder krebsauslösende organische Chlorverbindungen (PCB) an. Mikroplastik enthält laut einer Studie von 2015/16 drei bis viermal so viel Giftstoffe wie der Meeresboden in unmittelbarer Umgebung.4

Mikroplastik wurde in Seehunden, Fischen, Muscheln und kleineren Organismen nachgewiesen, die es passiv oder mit ihrer Nahrung aufnehmen. Im Magen-Darm-Trakt können diese Schadstoffe wieder freigesetzt werden und Einfluss auf den Organismus nehmen.5

Wohin die Reise geht

Ein Drittel der weltweiten maritimen Handelsströme passiert das Mittelmeer, mit einer erwarteten Zunahme um 4 % bis 2025. Es ist außerdem das Touristikziel Nummer eins weltweit, mit einer jährlichen Besucherzahl von 343 Millionen Menschen (2014) und einer erwarteten Zunahme um 40 % bis 2025. Jährlich werden weltweit rund 300 Millionen Tonnen Plastik produziert, mit steigender Tendenz. Zwar verzichten immer mehr Kosmetik-Produzenten auf den Einsatz von Mikroplastik, aber diese sind bei weitem nicht die einzige oder größte Quelle für die Verschmutzung.

Während sicher jeder Einzelne hier in der Verantwortung ist, weniger Müll zu produzieren, so werden doch größere politische Maßnahmen nötig sein, um dieses Problem in den Griff zu bekommen.

Quellen

1 Parker, Laura 2015. „Eight Million Tons of Plastic Dumped in Ocean Every Year“, in nationalgeographic.com vom 13. Februar 2015. http://news.nationalgeographic.com/news/2015/02/150212-ocean-debris-plastic-garbage-patches-science/. (Zugriff am 23. März 2017)

2 Rahmstorf, Stefan; Richardson, Katherine 2007. Wie bedroht sind die Ozeane? Biologische und physikalische Aspekte. 2. Aufl. Forum für Verantwortung 17277. Frankfurt am Main: Fischer-Taschenbuch-Verl.

3 Rögener, Wiebke 2010. „Plastik im Plankton“, in sueddeutsche.de vom 17. Mai 2010. http://www.sueddeutsche.de/panorama/umweltverschmutzung-plastik-im-plankton-1.674819. (Zugriff am 23. März 2017)

4 wikipedia.org/wiki/Mikroplastik

5 BUND. Mikroplastik – kleine Gifttransporter aus dem Abflussrohr https://www.bund.net/meere/mikroplastik/hintergrund/. (Zugriff am 23. März 2017)