Tomorrow – die Welt ist voller Lösungen

Der Dokumentarfilm Demain von Cyril Dion und Mélanie Laurent kam Dezember 2015 in die französischen Kinos und inspirierte seitdem über eine Million Zuschauer. Die Schauspielerin und der Aktivist machten sich für den Film auf die Reise um Experten auf der ganzen Welt und Lösungen zu finden, die das Potential haben, den baldigen Zusammenbruch der Zivilisation zu verhindern. Lösungsansätze, die möglichst viele Menschen inspirieren und bewegen. Genau das haben sie mit Tomorrow, ausgezeichnet mit dem César für den besten Dokumentarfilm erreicht.
Wenige Wochen vor dem offiziellen Kinostart Anfang Juni organisierte der ADFE Hessen e.V. démocratique des Français à l’étranger) eine Vorprämiere in Frankfurt. Unser Team von France écotours war natürlich dabei und teilt hier seine Eindrücke.

Tomorrow ist ein positiver Film, voller Hoffnung und voller Aha-Momente, der Trugbilder aufdeckt, Systeme hinterfragt und gleichzeitig einleuchtende und so selbstverständlich scheinende Alternativen aufzeigt. Man muss die Missstände und paradoxen Situationen unseres Wirtschafts- und Gesellschaftssystems nur erkennen und verstehen um sie ändern zu können. Genau das macht dieser Film und setzt ein klares Statement für Empowerment und Deindustrialisierung. Trotz allem ist Tomorrow kein weiterer Weltuntergangsfilm, der uns unentwegt mit den Missständen und Paradoxen des kapitalistischen Systems konfrontiert, sondern den Fokus auf Alternativen setzt. So weicht das Gefühl der Beklemmung einem positiven Gefühl und der Überzeugung, dass es nicht zu spät ist und wir am Lauf der Dinge noch etwas ändern können.

Finanziert wurde der Film über Crowdfunding auf der Plattform KissKissBankBank. Innerhalb von zwei Monaten sind hierbei 450.000 € zusammengekommen. Mit anderen nachhaltigen Partnern wie der französischen Schuhmarke Véja, dem Netzwerk Biocoop und vielen weiteren kam schließlich ein Budget von 1,2 Millionen Euro zusammen. Eine bescheidene Summe, wenn man bedenkt, dass das Team mehrere Kontinente und zehn Länder bereist hat. Auf der Reise und der Suche nach zukunftsträchtigen lokalen Projekten sind nicht nur interessante Begegnungen und Porträts von engagierten Menschen entstanden, sondern auch emotionale Moment- und beeindruckende Landschaftsaufnahmen. Begleitet von der poppig jazzigen Musik von Fredrika Stahl entwickelt sich im Laufe des Films eine immer positiver werdende Stimmung, die dem Zuschauer ein Lächeln auf die Lippen zaubert und Lust auf die Zukunft macht. Die schwedisch-stämmige Sängerin und Songwriterin hat für den Film insgesamt 19 Lieder geschrieben, darunter „Tomorrow“, das auch den Trailer hinterlegt.

Die Dreharbeiten des Films sind an Cyril Dion nicht spurlos vorbeigegangen: „Mir ist noch viel bewusster geworden, dass alles zusammenbrechen wird, und ich hatte noch nie zuvor solche Angst. Deshalb habe ich umso mehr das Bedürfnis, kleine Fackeln in den Menschen anzuzünden.“, sagt er in einem Interview. Diese kleinen Fackeln hat er bei seinen Kinobesuchern sicherlich angezündet. Inspiriert wird man von engagierten, positiven und überzeugenden Persönlichkeiten, deren Porträts vorgestellt werden. Beispielsweise Vandana Shiva, Wissenschaftlerin und soziale Aktivistin, die auf eine ganz einfache und sympathische Weise über Ernährungssouveränität und die Gefahren der Vermarktung und Verwaltung natürlicher Ressourcen spricht.
Durch durchdachte Anbaumethoden und simple Handgeräte kann man es schaffen, Hunger und Nahrungsknappheit vorzubeugen. Ohne viel Platzaufwand, wodurch man auch städtische Gebiete wie Detroit zur Landwirtschaft nutzen kann und ohne die Erde mit Dünger oder den Einsatz von Maschinen unnötig zu belasten. Charles und Perrine Hervé-Gruyer, Betreiber der Farm Bec Hellouin gewähren in Tomorrow Einblicke in ihr Permakultur-Paradies, das weitaus ertragreicher als jegliche herkömmliche Landwirtschaft ist. Morgen ist alles ist möglich, sogar Geldscheine im Wert von 21 Sterling, wie es der Ökonom und laut Business Week „Bester Währungshändler der Welt“ Bernard Lietaer zeigt. Er ist vom Zusammenhang zwischen Währung und einer gemeinschaftlichen und ökologischen Landschaft überzeugt und erklärt im Film die Vorteile einer lokalen Komplementärwährung, die im Vergleich zu unseren gewöhnlichen Banknoten einen sozialen und wirtschaftlichen Mehrwert schaffen.

Der Dokumentarfilm setzt uns keine allumfassenden Lösungen vor, vielmehr versteht man nach und nach die Idee der vielen lokalen Projekte in den Bereichen der Landwirtschaft, Wirtschaft, Demokratie, Energie und Bildung. Jedes Projekt für sich scheint so simpel und selbstverständlich und könnten doch den Antriebsmotor für eine globale Veränderung darstellen. Von oben wird diese Veränderung nicht kommen. Lobbyisten, sowohl im Bereich der Landwirtschaft als auch im Bereich der Energie werden bis zum bitteren Ende eine Veränderung zu Gunsten ihres eigenen Überlebens verhindern wollen. Selbst anpacken heißt also die Devise.

Auch wenn wir nur mit kleinen Gesten mithelfen, verändern wir die Welt von Morgen. Bei wem kaufe ich ein, fahre ich mit dem Fahrrad, was mache ich mit meinem Müll, wie nimmt man den „Großen“ den Wind aus den Segeln und wie verteilt man die Macht gerechter. Unser Planet ist nicht gemacht für instabile Monokulturen und Oligarchien. Um geniale Lösungsansätze zu finden und auf Menschen zu treffen, die anpacken, muss man nicht bis ans Ende der Welt reisen. In vielen Städten in Deutschland und Frankreich gibt es bereits einzigartige Projekte.

Auf der französischen Internetseite von Tomorrow werden fünf ganz simple every-day Aktionen für eine schönere Zukunft vorgestellt, die wir Euch nicht vorenthalten möchten:
1. Mehr auf Bioqualität vertrauen und weniger Fleisch essen
2. Zu einem Stromanbieter mit erneuerbaren Energien wechseln
3. In lokalen und unabhängigen Geschäften einkaufen
4. Die Bank wechseln (France écotours ist zum Beispiel bei der Triodos Bank, die mit Deinem Geld nicht wahllos spekuliert, sondern es in nachhaltige Projekte investiert)
5. Reduzieren, Wiederverwenden, Recyceln, Reparieren und Teilen…!

Natürlich kann man diese Liste bis ins unendliche Fortführen. Was im Endeffekt zählt, ist das Engagement jedes Einzelnen. Es bleibt zu hoffen, dass jeder einzelne, der aus dem Kinosaal zurück in seine Welt stolpert, diese mit anderen Augen sieht. Dass jedem Einzelnen bewusst wird, dass der Konsument die Macht besitzt, etwas zu verändern. Und dass wir jetzt und heute etwas verändern müssen, wenn wir in den nächsten Jahrzehnten nicht einen totalen Zusammenbruch unseres Ökosystems erleben wollen.

Weitere Infos zum Film und zu allen weiteren engagierten Experten und Initiatoren von einzigartigen Projekten, die am Film mitgewirkt haben, gibt es hier.

Christiane Hawlik