Atomausstiege in Europa

Der Atomausstieg in Deutschland ist beschlossene Sache. Das letzte AKW soll 2022 vom Netz gehen, die ältesten sieben sind heute schon abgeschaltet. Doch wie sieht es eigentlich in unseren Nachbarstaaten aus? Etwa in der Schweiz, Österreich, Italien oder Frankreich? Eine Übersicht:

Italien ist als eines der wenigen europäischen Ländern bereits vollständig aus der Kernernergie ausgestiegen: Die Bürger entschieden bereits 1987 – kurz nach dem Reaktor-Unglück von Tschernobyl – per Referendum, alle vier Atomkraftwerke des Landes abzuschalten. Mitte 2011 veranlasste der damalige Staatspräsident Silvio Berlusconi ein Referendum über den Wiedereinstieg in die Atomenergie. Die Bürger stimmten jedoch mit 95% dagegen und erteilten Berlusconi damit eine klare Absage.

Der Fall Österreich ist noch kurioser: Eine Volksabstimmung bedeutete 1987 das Aus für Österreichs erstes, bereits gebautes – aber noch nicht in Betrieb genommenes – Kernkraftwerk in Zwentendorf. Seitdem wurde in Österreich auch kein Atomkraftwerk mehr gebaut. Allerdings importiert Österreich bis heute Atomstrom aus den Nachbarländern.
Die Schweiz folgte Deutschland vor noch gar nicht so langer Zeit in den Ausstieg nach. Erst Mitte 2011 – nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima – beschloss der Ständerat das Ende der Kernenergie in der Schweiz. Das letzte Atomkraftwerk soll allerdings erst 2034 vom Netz gehen, und absolut wasserdicht gegen den Bau neuer Kernkraftwerke ist das Gesetz auch nicht – sollten neue Techniken verfügbar sein, soll der Bau neuer Kraftwerke geprüft werden dürfen.

Im Gegensatz dazu bezieht Frankreich 75% seines Stromes aus Kernenergie. Nach Fukushima verkündete Staatschef Nicholas Sarkozy, die Kernenergieverwedung nicht zu überdenken. Allerdings wurden alle 58 Reaktoren einem Stresstest unterzogen: Bei allen wurde zum Teil erhebliche Sicherheitsmängel festgestellt, die nun nachgebessert werden sollen. Allerdings haben sich in einer Umfrage Mitte 2011 immerhin 62% der Franzosen für einen Atomausstieg in den nächsten 25 bis 30 Jahren ausgesprochen, nach der Meinung von weiteren 15% kann es ruhig auch schneller gehen. Wegen der hohen Versorgungsquote durch Kernenergie dürfte ein Atomausstieg für Frankreich aber erheblich schwieriger werden als für Deutschland. Man darf also gespannt bleiben!

Oliver Bernasconi