Das Platanensterben am Canal du Midi

Der Canal du Midi im Südwesten Frankreichs gilt als einzigartiges Natur- und Kulturerbe, das jedes Jahr Millionen von Besuchern aus aller Welt anzieht.

Inhalt

Der Kanal und seine Pflanzenwelt

Erbaut wurde der Kanal im 17. Jahrhundert unter Ludwig dem XIV. Als einer der ersten Kanalbauten Europas, der noch heute in Betrieb ist, stellt der Canal du Midi bis heute ein Meisterwerk der landschaftlichen Baukunst dar und wurde 1996 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt. Zwischen Toulouse und dem Mittelmeer findet man auf rund 240 Kilometern Länge gut 350 architektonische Kunstwerke, darunter 126 Brücken, 63 Schleusen, 55 Aquädukte, 7 Kanalbrücken, 6 Wehre, einen Überlauf und einen Tunnel.

Doch auch seine Pflanzenwelt hat im Laufe der Zeit eine außergewöhnliche Vielfalt entwickelt. Zunächst wurde das Land um den Canal du Midi lediglich bestellt oder begrünt, bis schließlich im 18. Jahrhundert die ersten Bäume angepflanzt wurden, darunter auch die Platane, deren ausladende Krone seither das Landschaftsbild um den Kanal prägt.

Heute säumen rund 190.000 Bäume jeglicher Form und Größe die Ufer des Canal du Midi. Während Eschen, Pinien und Eichen die steilen Böschungen dominieren, sind 60% der ebenen Flussufer mit Platanen bewachsen. Dank dieser Mischstrukturen ist im Laufe der Zeit ein einzigartiges Ökosystem mit einer außergewöhnliche Biodiversität entstanden.

Das Platanensterben

Doch die 42.000 Platanen am Canal du Midi sind akut vom Aussterben bedroht. Grund dafür ist der sogenannte Platanenkrebs (chancre coloré), ein Mikro-Pilz, der sich im Inneren des Baumes einnistet und seine Saftzirkulation blockiert.

Die Krankheit verbreitet sich über die Wurzeln der Bäume, die sich in der Erde ineinander verflechten. Auch Boote, die beim An- und Ablegen außerhalb der ausgewiesenen Anlegestellen die Bäume oder das Wurzelgeflecht der Platanen verletzen, tragen zur Ausbreitung bei. Wenn eine Platane einmal befallen ist, gibt es kein Heilmittel mehr – innerhalb von 2 bis 5 Jahren stirbt der Baum.

Umfangreiche Studien des französischen Landwirtschaftsinstituts INRA haben ergeben, dass der Pilz weder mit biologischen noch mit chemischen Methoden bekämpft werden kann. Deshalb gibt es bis heute nur ein einziges Mittel: befallene Bäume abzuholzen und zu verbrennen. So mussten trotz aller Präventionsmaßnahmen zwischen 2006 und 2013 bereits 10% der Platanen am Kanal gefällt werden.

Aufforstung der Platanen

Anfängliche Versuche des Kanal-Betreibers VNF (Voies navigables de France) die Verbreitung der Seuche aufzuhalten wurden aufgegeben. Unterstützt von einem multidisziplinären Team aus Wissenschaftlern, Laboranden, Landschafts- und Denkmalschutzexperten, Biologen und Pflanzenschutzfachleuten sollte das Platanensterben unter Kontrolle gebracht werden. Ziel war es, befallene Platanen so schnell wie möglich zu identifizieren und diese zu entfernen, um zu verhindern, dass sie den Pilz an benachbarte Bäume weitergeben. Darüber hinaus erforschte der VNF Maßnahmen, um die Übertragung des Erregers durch Boote einzudämmen.

Mittlerweile ist man dazu übergegangen, die Bäume nicht mehr nur selektiv zu fällen. So erreichen uns Berichte, wochnach die Bäume seit drei Jahren systematisch gefällt und die Wurzeln gefräßt werden. Im März 2017 waren die Arbeiten, beginnend bei Toulouse, rund 100 Kilometer bis Ventenac fortgeschritten.

Dank Spenden von inzwischen rund 3 Mio. € werden neue Bäume gepflanzt. Die Bepflanzung erfolgt unter Einhaltung des typischen Landschaftsbilds des Canal du Midi: symmetrische Baumreihen mit Abständen von 1 bis 8 Metern zwischen den einzelnen Bäumen. Damit der Fluss auch weiterhin von einem schattenspendenden Gewölbe aus Blättern überspannt ist, werden hoch wachsende Baumarten mit einem dichten Blattwerk ausgewählt, darunter Silber-Linden und krebsresistente Hypbrid-Platanen.

Um dieses ambitionierte Projekt auch weiterhin erfolgreich umzusetzen, sind die Organisatoren auf Spendengelder angewiesen. Um einen einzigen Baum zu ersetzen, werden rund 3.000 Euro benötigt. Falls Ihr das Projekt ebenfalls mit einer kleinen Spende unterstützen wollt, könnt Ihr das hier tun.